Alte Post in Neuss zeigt Positionen der Fotografie

Ausstellung im Kulturforum Neuss: Alte Post zeigt Positionen der Fotografie

Sieben Fotografen aus Neuss hat Klaus Richter, Kurator der Alten Post, eingeladen, um im Kulturforum verschiedene Positionen zu zeigen. Allesamt haben sie längst den Status Künstler erreicht.

Die Idee ist in der Vorbereitung der Jahresausstellung „Kunst aus Neuss“ in der Alten Post entstanden. „Damals ist Bianca Quasebarth und mir aufgefallen, dass es viele Fotokünstler in Neuss gibt“, sagt der Kurator und stellvertretende Leiter des Kulturforums, Klaus Richter, „und wir entschlossen uns, ihnen eine eigene Ausstellung zu widmen.“ Da Richter auch ein Meister im Netzwerken ist (und selbst Künstler und Mitglied der Düsseldorfer Szene) gab es keinen Zweifel an dem Termin in Nähe zum Düsseldorfer Photo Weekend am 8. bis 10. März.

Das Ereignis markiert nun die Finissage der Ausstellung, die schlicht „Neuss Foto“ betitelt ist und am vergangenen Wochenende bereits eröffnet wurde. „Mit Blick auf das kommende Wochenende werden um die 600 Menschen die Schau sehen“, sagt Hans Ennen-Köffers, der Chef der Alten Post, schmunzelnd. Denn die 100 Besucher der Vernissage werden um rund 500 weitere der (ausverkauften) „Billboard“-Vorstellungen aufgestockt. Deren Weg zur Bühne führt in der Alten Post nämlich durch die Ausstellung ...

Die Künstler: v. l. Ute Hille, Klaus Richter, Hildegard Theodora Monssen, Uwe Dressler, Karin Geiger, Stefanie Minzenmay, Kay Kaul, Sabrina Jung. Foto: Hanne Brandt

Sieben Fotografen hat Richter eingeladen, allesamt – auch die Autodidakten – haben längst den Status des Fotokünstlers erreicht. Jeder von ihnen steht für eine eigene Position in seiner Kunst – was laut Richter auch ein wichtiges Kriterium war, „denn eine thematische Eingrenzung erschien uns schwierig“. Was hätte das sein sollen: Landschaften, Porträts, Stillleben? Nein, die Entscheidung, Vertreter unterschiedlicher Stile zu präsentieren erweist sich als goldrichtig, denn dadurch ergibt sich eine große Vielfalt für den Besucher, die gleichwohl Korrespondenzen nicht ausschließt.

Sieben Künstler sind auch sieben Positionen, sagt Richter und erschafft zum Beispiel für Ute Hille eine Kategorie, die es so nicht gibt, aber wunderbar passt: „Street Photograhhy“. Denn Hille zeigt Straßenszenen aus Paris, wo sie teilweise lebt, die wie Schnappschüsse wirken mögen, aber auf genauer und vor allem stundenlanger Beobachtung basieren, um genau den Moment zu sehen, in dem sich das Auslösen lohnt.

Sabrina Jung arbeitet mit Fundstücken – in diesem Fall sind das Fotos von Frauen, die sie malerisch verändert und auch verfremdet. So könnte eine Frau auch ein Mann sein. Stefanie Minzenmay inszeniert. Mal mit Blick auf die Selbstdarstellung der Jugendlichen, mal mit Blick auf Lichtreflexe in einem Zimmer. Karin Geiger arbeitet in der Tradition der Düsseldorfer Fotoschule. Sie porträtiert meistens entleerte Räume, und selbst wenn sich darin Menschen aufhalten, stehen sie nicht unbedingt im Mittelpunkt.

Uwe Dressler zeigt eine Fotoserie über eine Roma-Familie, die er selbst und für Richter sehr zutreffend als „Fotoessay“ bezeichnet:  Kay Kaul verbindet klassische und moderne Mittel, nutzt die klassischen Fotofarben Blau, Grün, Rot und ergänzt sie mit anderen, die er Ebene um Ebene zufügt. So entstehen auch die „Lichtkästen“ mit einem „ausgeklügelten Beleuchtungssystem“ (Ennen-Köffers). Hildegard Theodora Monssen sieht in der Verwesung das Schöne: Im Detail eines Blütenblatts etwa zeigt sie eine Stofflichkeit, die den pflanzlichen Ursprung nicht mehr ahnen lässt.

Die Ausstellung ist auch ein Statement: „Es gibt auch in Neuss viele ernsthafte Fotokünstler“, sagt Richter.

Info Neustraße 28, bis 10. März

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