Neuss: Alte Post auf neuen Wegen

Neuss : Alte Post auf neuen Wegen

Nicht nur das Cover des Kursverzeichnisses zum Wintersemester in der Alten Post – von Mariusz Waras entworfen – zeigt den veränderten Auftritt. Auch das Programm wartet mit Neuheiten auf.

Ganz ohne Stress sind die vergangenen Wochen wohl nicht abgegangen. Denn ein bisschen geschafft sehen Hans Ennen, Leiter der Alten Post, und Klaus Richter, ebendort verantwortlich für die bildende Kunst und zudem städtischer Kurator, schon aus. Aber bis so ein neues Kurszverzeichnis fertig ist – und nebenbei gab's auch noch zahlreiche Veranstaltungen zu bewältigen –, braucht es auch einiges an Kraft und Geduld. Zumal da das neue zum Wintersemester der Schule für Kunst und Theater "so viele Neuerungen hat wie in den vergangenen 20 Jahren nicht", wie Ennen sagt.

Neue Erfahrungen und vielfach auch Bedingungen an den Ausbildungsstätten des Alte-Post-Klientels haben dazu geführt, dass einige Kurse gründlich überarbeitet wurden. Manchmal blieb es bei einer Namensänderung – der Kursus "Schauspiel für Anfänger" heißt jetzt "Schauspiel Basics" –, anderes bekam ein neues Konzept. So gehören zu jedem Schauspielkursus vorab 55 Minuten F.E.A.D. – "Förderung der Erforschung eigener Ausdrucksmöglichkeiten", wie es auch an professionellen Schauspielschulen üblich ist.

Alle Bereiche verzahnen

Überhaupt hat sich Hans Ennen, der von Hause aus Dramaturg ist, an den Plänen der Schauspielschulen orientiert und das eigene Angebot dem angepasst. Denn auch wenn es nicht darum geht, aus jedem Alte-Post-Besucher einen Profi zu machen – "unser Schwerpunkt bleibt die vorberufliche Orientierung", betont er. Das macht auch vor den Dozenten nicht halt, denen ein Weiterbildungskursus "Figurentheater" angeboten wird, um das eigene Spektrum zu erweitern.

Kurse zur "Szenischen Liedgestaltung" oder zur "Theatergeschichte", sind ebenso neu wie der Umstand, dass bei den Bühnenproduktionen nur zwischen "I" und "II" unterschieden wird. "Es wird jeweils vorab gecastet", sagt Ennen und ergänzt: "Aber beide Kurse sind schon voll." Ohnehin ist er mit der Nachfrage an seinem Haus zufrieden: "Die Zahlen steigen", sagt er, "und wir werden am Ende das Einnahmesoll erreichen."

Zusammen mit Klaus Richter hat Ennen ein Angebot entwickelt, das vor allem einem Ziel dient: "Alle Bereiche der Alten Post zu verzahnen." Und auch Richter weiß, dass manche Ausstellung vom Veranstaltungsprogramm profitiert und umgekehrt manche Veranstaltung dank der Ausstellung funktioniert hat. Er wird die Linie fortzusetzen, hat etwa die nächste Künstlerin, die Malerin Shruti Mahajan, auch für einen Workshop verpflichten können.

Und er ist sichtbar froh darüber, dass ein früheres Sorgenkind sich wieder sehr gut entwickelt: Die Fotografie findet wieder wesentlich mehr Zuspruch, was er auch auf die Qualitäten von drei sehr unterschiedlich arbeitenden jungen Fotorgrafinnen zurückführt. Die von ihm an der Alten Post verankerte "Street Art" hat es gar in die Wissenschaft geschafft. Das wird sich einem Theorie-Kursus zeigen.

(NGZ/ac)
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