Neuss: Als Libet Werhahn die Kennedys besuchte

Neuss: Als Libet Werhahn die Kennedys besuchte

Zwei Staatsbesuche von Bundeskanzler Adenauer und seiner Tochter Libet Werhahn-Adenauer haben den legendären Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Deutschland 1963 vorbereitet. Die Neusserin erinnert sich.

Als ihr Vater sie bat, mit ihm in die USA zu reisen, war es Libet Werhahn-Adenauer klar, warum er das tat. Ein Besuch im Weißen Haus bei Präsident John F. Kennedy stand auf dem Programm, und Bundeskanzler Konrad Adenauer wusste wohl nur zu genau, dass sich die beiden Staatschefs eher distanziert als herzlich begegnen würden. Mit Hilfe der Tochter – damals 33 Jahre alt, mit Ehemann Hermann Josef Werhahn und den vier Kindern in Neuss lebend – wollte der Kanzler dem Staatsbesuch 1961 einen familiären Anstrich geben. "Und das hat geklappt", sagt die heute 85-jährige Adenauer-Tochter lächelnd. Seine politischen Überlegungen habe ihr der Vater – liebe- und respektvoll nennt sie ihn noch heute im Gespräch so – nicht offengelegt: "Aber natürlich wusste ich, dass er mich benutzte, um die familiäre Atmosphäre aufzubauen, die er brauchte, um einen offenen Kontakt zu Kennedy zu bekommen. Da hat er mit offenen Karten gespielt."

Seit 1951 lebt Libet Werhahn-Adenauer in Neuss. Foto: Linda Hammer

Der erste Staatsbesuch Adenauers und seiner Tochter in den USA 1961 und auch der zweite 1962 haben den Weg bereitet für den legendären Gegenbesuch Kennedys in Deutschland vor 50 Jahren. Libet Werhahn-Adenauer war da zwar außen vor, aber dennoch sagt sie heute: "Es ist frappierend, wie ähnlich die politischen Umstände damals bei Kennedy und heute beim Besuch von Barack Obama sind." Anfang der 1960er Jahre ging es ihrem Vater um die Sicherheit Berlins und Kennedy beim Gegenbesuch um die Möglichkeit, den Russen zu zeigen, dass die Amerikaner in Europa präsent sind. "Heute geht es um Syrien, wieder stehen sich die Amerikaner und die Russen gegenüber", sagt sie. Dabei will sie gar nicht erst den Eindruck erwecken, dass sie die politische Dimension der Staatsbesuche schon als junge Frau erfasst hat: "Vieles wurde mir erst später klar."

Libet Werhahn-Adenauer trifft Jackie Kennedy 1961 in der Oper. Foto: LH

Gleichwohl hat offensichtlich allein ihre Anwesenheit in den USA dazu beigetragen, dass das Verhältnis zwischen ihrem Vater und John F. Kennedy sich entkrampfte. Im Weißen Haus habe sie ihrem Vater damals gerne die Rolle des Rat gebenden Großvaters überlassen, erzählt sie schmunzelnd: "Ich habe mich zurückgehalten." Allerdings, so sagt Libet Werhahn-Adenauer auch, habe ihr Vater sein Misstrauen Kennedy gegenüber nie ganz ablegen können. Sie selbst aber, und da klingt ihre Stimme amüsiert, habe ihn wie alle anderen "trotz seiner Rückenprobleme als strahlenden Helden" empfunden. "Und dass ihm wegen seiner Frauengeschichten auch etwas Verruchtes vorausging, machte ihn noch interessanter", sagt sie schmunzelnd.

Libet Werhahn-Adenauer Kennedy lernt den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy bei einem Staatsbesuch in den USA 1961 kennen. Foto: Linda Hammer

Auch die zwei Kinder des Paares hat sie kennengelernt. Und noch heute staunt sie in Erinnerung an die beiden Kinderzimmer: "Sie waren voll mit Spielzeug und Plüschtieren, und neben jedem Bett, in dem die Kinder ihren Mittagschlaf hielten, stand ein laufender Fernseher und saß eine Nanny."

Für die Tochter des Bundeskanzlers gab es natürlich ein Damenprogramm mit Jackie Kennedy, die sie als "sehr charmant, sehr gebildet und sehr offen" erlebt hat. Mit der First Lady war sie in der Oper, aber auch zum Tee bei deren Schwägerin Ethel, der Frau des 1968 ermordeten Robert Kennedy. Und aus dem Kontakt mit der Kennedy-Familie hat sich auch eine Beziehung entwickelt, die hielt. Die Mutter des Präsidenten, Rose Kennedy, habe ihren Vater sehr gemocht, sagt die Neusserin, und ihn auch noch in Deutschland besucht, als er schon kein Bundeskanzler mehr war.

(NGZ/rl)
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