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Neuss: Alptraum zum Hinsehen

Neuss : Alptraum zum Hinsehen

Hombroich Der Raum hat ihn zum Thema angeregt. "Er hat vor allem Länge", sagt Martin Mele ganz trocken, "und man muss ihn durchlaufen". Wie in einem Traum, findet er, in dem man läuft und läuft, aber der Raum sich vor einem wie ein Schlauch zieht und kein Ende zu nehmen scheint.

Hombroich Der Raum hat ihn zum Thema angeregt. "Er hat vor allem Länge", sagt Martin Mele ganz trocken, "und man muss ihn durchlaufen". Wie in einem Traum, findet er, in dem man läuft und läuft, aber der Raum sich vor einem wie ein Schlauch zieht und kein Ende zu nehmen scheint.

Das Ausstellungsgebäude des Field Institute auf der Raketenstation - entstanden aus aneinander gesetzten Seecontainern - stellt bei aller Einfachheit Ansprüche, denn mit 50 Meter mal 2,50 Meter ist der Raum eben mehr lang als breit, lässt kaum Distanz zu den präsentierten Kunstwerken zu.

Deswegen hat sich der Düsseldorfer Künstler Martin Mele auch entschieden, eine Art Parcours aus Kunstwerken aufzubauen. Der gerade Weg durch die "Süßen Alpträume" - so der Titel der Schau - ist fast nicht möglich: Mal steht ein Gebilde mitsamt ausladendem Horn im Weg, mal liegt ein Spiegel auf dem Boden, mal müssen zwei Baukrangewichte umgangen werden.

Man steht in der Kunst oder man weicht ihr aus. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, durch die "Süßen Alpträume" zu gelangen, für die Mele teilweise skurrile Gebilde geschaffen hat, die tatsächlich etwas Alptraumhaftes haben - aber merkwürdigerweise ohne dabei bedrohlich zu wirken. Vielleicht liegt es ja auch an dem offenen und sympathischen Wesen des Künstlers, der selbst gerne und viel lacht, dass die Werke in ihren Formen zwar befremdlich wirken, aber nicht abschrecken, sondern zum genauen Hinsehen verlocken.

"Expressiv und aus dem Bauch heraus" entstehen die Kunstwerke zumeist in seinem Atelier; erklärt Mele. Und er setzt an Materialien ein, was ihm unter die Finger kommt. Bauschaum, Tennisschläger oder Holzstücke - daraus entwickelt sich gewissermaßen im Nachdenken über den Raum, wo das Werk gezeigt wird, die tatsächliche Form.

Der gebürtige Argentinier hat bei Professor Markus Lüpertz an der Kunstakademie studiert, und bei allen Aktionen und Installationen, die Mele immer wieder schafft: Er sieht sein künstlerisches Zuhause in der Malerei. Das wird auch bei den "Süßen Alpträumen" deutlich, wenn er etwa eine riesige Stoffbahn (Mikrofaser für Bikinis) wie eine Leinwand auf Holzkeile spannt und sie in den Raum hineinragen lässt.

Oder die Arbeit mit nicht mehr erkennbaren Gegenständen, die sich durch ein bemaltes, straff gespanntes Tuch durchdrücken und damit an Traumszenen gemahnen, in denen geisterhaft ein Gesicht aus einer Wand heraustritt. Als "barocken Minimalismus" bezeichnet Mele seine Kunst im Field Institute, die in dem "minimalen Raum" schafft, was im Barock schon immer wichtig war: Sie bildet einen Rahmen und zieht zugleich wie ein gute Inszenierung in sich hinein.

Info Raketenstation, bis 13. Juli. Besichtigung nach telefonischer Vereinbarung unter 0163/ 80 369 63 oder 0178 / 3711214.

(NGZ)