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Neuss: Alphorn-Konzert: Spaß auf hohem Niveau

Neuss : Alphorn-Konzert: Spaß auf hohem Niveau

"Klangzauber und Alphorn" – das war wohl einmalig für die Besucher im Zeughaus, die gestern die Matinee der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein (dkn) erlebten. Spontane Heiterkeit verbreitete sich im Publikum, als Chefdirigent Lavard Skou-Larsen das gut vier Meter lange Instrument mit dem Schalltrichter aus Tannenholz voran auf das Podium schob. Die Holztrompete mancher Gebirgsregionen, in der Schweiz gar Nationalinstrument, war der heimliche Star des Vormittags.

Ihr Spieler, Carlo Torlontano, ist in Italien Professor für Wald- und Barockhorn. Seine Leidenschaft aber ist das Alphorn, seine "Mission", dieses in Konzertsäle einzuführen. Nun hat das Signalinstrument der Alphirten nur zehn Naturtöne und das sogenannte Alphorn-fa, was schon vom begrenzten Umfang her in den vergangenen Jahrhunderten keinen Komponisten zu aufregenden Werken animierte. Nicola Hansalik Samale und Giovanni D'Aquila konnte Carlo Torlontano vor acht Jahren überreden, für ihn und Streichorchesterbegleitung zu schreiben.

Die renommierten Komponisten machten das Beste daraus. In "Walpurgisnacht" gibt es gar ein tänzerisches Fünf-Töne-Alphorn-Motiv. D'Aquila schafft es, epische und mystische Momente im vom Tolkien-Film "Herr der Ringe" inspirierten "The great horn of Helm" für Solo und Orchester in abwechslungsreiche Beziehung zu setzen. Trotz des das Waldhorn sonor satt übertreffenden Alphornklanges und der meisterlichen Technik Torlontanos blieben beide Werke eher ein musikalischer Spaß, dank der dkn aber auf sehr hohem Niveau.

Die hatte bereits zuvor in zwei religiös-elegischen Meditationen Franz Liszts geglänzt. Wie so oft kam das Beste aber zum Schluss: Das "Streichquartett D-Dur" von César Franck, ein Jahr vor seinem Tod (1890) geschrieben, gehört zu den Meisterwerken der Quartettliteratur. Die Fassung für Streichorchester betont vor allem in dkn-Qualität die hohe emotionale Vielfalt des Werkes. Lavard Skou-Larsen gelang dabei eindrucksvoll, das Konzept der zyklischen Form, die Entwicklung des Ganzen aus einem thematischen Kern, transparent zu machen. Das zeichnete die dkn bei wirkungsvollen Wechseln zwischen Quartett und Tutti in allen Sätzen glänzend auf. Temperamentvolle Exzessivität machte vor allem im vierten Satz großer Romantik Platz – und umgekehrt.

Kommentar eines zum Mittagessen strebenden Zuhörers: "Die dkn hat mal wieder für überraschende Neusser Premieren gesorgt. Wunderbar!"

(NGZ)