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Neuss: Alexianerbrüder lesen letzte Messe in der Klosterkirche

Neuss : Alexianerbrüder lesen letzte Messe in der Klosterkirche

Das Bild der Gemeinschaft der Alexianerbrüder in Neuss, wo der Orden nachweislich seit 1483 segensreich wirkt, wird sich wesentlich verändern. Davon zeigte sich gestern Bruder Benedikt überzeugt, der Ordensprovizial der Alexianer in Deutschland, der am Festtag des Ordenspatrons zum letzten Mal die Krankenhausgemeinde um den Altar der St. Alexius-Kirche versammelte.

Diese Kirche, die für die Menschen in Meertal und der Grünwegsiedlung lange auch die Funktion einer Gemeindekirche hatte, wird künftig von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt. Die Werke der Alexianer werden zwar unter dem Dach der St. Augustinus-Kliniken fortgesetzt, doch mit Eröffnung des Zentrums für seelische Gesundheit, dem neuen psychiatrischen Fachkrankenhaus in Neuss, wird das Krankenhaus der Alexianer Anfang September seine Bestimmung und seine Bedeutung verlieren. Zurück bleibt allein der kleine Konvent mit den drei Ordensbrüdern Wunibald, Stephanus und Laurentius. Denen dient in dem großen Alexianerkloster, dem zur Blütezeit des Konventes kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mehr als 150 Brüder angehörten, eine kleine Hauskapelle für die täglichen Gebete und Andachten.

Schon mehrfach stand der Orden vor Veränderung und Neuanfang, rief Bruder Benedikt in Erinnerung. Der gestrige Abschied von der Alexius-Kirche war für ihn deshalb kein Endszenario, sondern "Abbild des Lebens".

Zu dem gehören auch freudige Ereignisse, von denen gestern zwei zu feiern waren. Bruder Dominikus, der als einer von nur zwei Priestern des Brüderordens die Messe zelebrierte, konnte in Neuss sein silbernes Ordensjubiläum feiern. Und mit Bruder Gabriel, der gestern nach sechsmonatiger Zeit als Postulant eingekleidet wurde, bat ein junger Mann um Aufnahme in die Ordensgemeinschaft. Der junge Innsbrucker wird sein Noviziat im Mutterhaus des bundesweit noch 18 Brüder zählenden Ordens in Aachen ableisten. Dort hat der Tiroler, der keine Priesterweihe anstrebt, schon auf einer psychiatrischen Abteilung gearbeitet.

Schon seit Gründung der Gemeinschaft waren die Alexianerbrüder, die nach den Regeln des heiligen Franziskus leben, ein Orden der Krankenpflege. Ihr erstes Kloster in Neuss, 1490 erstmals urkundlich erwähnt, hatten sie an der Brückstraße. Das wurde 1754 und 1834 nur für die Krankenpflege erweitert, denn die Stadt ließ sich vertraglich zusichern, dass in dem Kloster, das ja von jeder Steuer befreit war, nie mehr als acht Brüder leben. Das änderte sich erst 1868, als Kloster und Krankenhaus am Alexianerplatz bezogen wurden.

(NGZ)