Neuss: Alexianer bieten 150 Asylplätze

Neuss : Alexianer bieten 150 Asylplätze

Die Brüdergemeinschaft fühlt sich unter Druck gesetzt, aber sie hilft: Ein Jahr lang soll ihr Neusser Krankenhaus als Asylbewerberunterkunft zur Verfügung gestellt werden. Allerdings nur für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten.

Die Alexianerbrüder helfen, aber nur unter Auflagen. Das ist das Ergebnis einer Sondersitzung, zu der der Provinzrat der Ordensgemeinschaft am Donnerstag in Neuss zusammentrat. Wegen der besonderen Dringlichkeit werde man sich einer befristeten Nutzung des ehemaligen St.-Alexius-Krankenhauses für die Unterbringung von Asylbewerbern nicht entgegenstellen, fasste anschließend Provinzial Bruder Benedikt M. Ende zusammen. Doch sollen der Zeitraum bis Ende November 2013 und die Zahl der Personen auf 150 begrenzt werden.

"Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung", kommentierte Bürgermeister Herbert Napp diese Aussage. Ob der Innenminister auf dieses Angebot eingeht, musste Christoph Söbbeler, Pressesprecher der in allen Fragen der Ausländerpolitik federführenden Bezirksregierung Arnsberg, Donnerstagabend allerdings offenlassen.

Das Land wollte die leerstehende Liegenschaft anmieten, um darin eine dritte zentrale Unterbringungseinrichtung in NRW mit bis zu 400 Plätzen zu etablieren und dadurch den Druck auf andere zentrale Einrichtungen zu mildern. "Wenn er so ein Angebot nicht annimmt", so Napp, "ist jede Eile seiner Rundverfügung widerlegt."

Mit dieser hatte der Innenminister landesweit alle Kommunen angewiesen, Liegenschaften für die kurzfristige Unterbringung von Asylbewerbern zu finden und zu benennen. Diese Verfügung wurde mit einer sehr knappen Frist verbunden und, so Napp, "unverhohlen mit Ersatzvornahme gedroht."

Die Stadt hat auf diese Verfügung mit dem Hinweis auf die Gespräche zur Nutzung des Alexianer-Krankenhauses und dessen nach Ansicht aller Behörden grundsätzliche Eignung für diese Zwecke verwiesen. "Damit ist das Thema für mich erledigt", so Napp.

Die Alexianerbrüder sehen sich durch die Entwicklung unter Druck gesetzt, wie Bruder Benedikt bekannte. Zumal, wie er hinzufügt, schon seit dem 26. September Gespräche zwischen dem Land und den St.-Augustinus-Kliniken als derzeitigem Nutzer geführt wurden, "ohne jegliche Information oder Beteiligung des Eigentümers." Die Brüdergemeinschaft selbst hatte erst am Dienstag von diesen Kontakten erfahren — als eine förmliche Anfrage des Landes vorlag.

In die weiteren Verhandlungen will der Orden nun eingebunden werden, betonte Bruder Benedikt. Noch liege kein Angebot vor. In diese Gespräche gehen die Alexianer auch mit der Vorgabe, nur Asylbewerber aus Kriegsgebieten aufzunehmen, "um diesen in adäquatem Umfeld den Abbau ihrer Traumatisierungen zu ermöglichen." Und vor einer Belegung seien Maßnahmen zur Sicherung vorzunehmen.

(NGZ/ac)