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Neuss: Akuter Lehrermangel

Neuss : Akuter Lehrermangel

Neuss "Rein rechnerisch ist alles klar", sagt Ulrike Hund. Die Schulrätin weiß aber nur zu genau, wie es an vielender 85 Grundschulen im Rhein-Kreis Neuss tatsächlich aussieht: Es herrscht Lehrermangel.

Neuss "Rein rechnerisch ist alles klar", sagt Ulrike Hund. Die Schulrätin weiß aber nur zu genau, wie es an vielender 85 Grundschulen im Rhein-Kreis Neuss tatsächlich aussieht: Es herrscht Lehrermangel.

Auf "acht bis zehn Prozent" beziffert Hund die Stellen, die zwar theoretisch besetzt sind, aber de facto unbesetzt sind. Die Gründe: Elternurlaub, Schwangerschaft, Erkrankung. "Wir können diese Stellen nicht besetzen, weil einfach keine ausgebildeten Grundschullehrer zur Verfügung stehen." Der gesamte Stellenbedarf liegt bei rund 850 im Rhein-Kreis.

Am schlimmsten hat es die Karl-Kreiner-Schule im Neusser Norden getroffen. Statt 18 Lehrerinnen saßen in dieser ersten Woche nur 14 im Lehrerzimmer. Fast alles sind Vollzeitkräfte. "Das bedeutet einen Ausfall von 110 Stunden", sagt Ursula Ludwigs. Sie kümmert sich zurzeit darum, dass es organisatorisch läuft, weil auch Rektorin Heidrun Riebe-Warot unter den "Ausfällen" ist. "Wir fühlen uns ziemlich alleine gelassen", beschreibt Ludwigs die Situation. "Es funktioniert nur, weil das Kollegium sehr gut zusammenarbeitet und sich gegenseitig hilft." Trotzdem: Englisch gibt es für die Dritt- und Viertklässler nur eine statt zwei Stunden in der Woche, das gleiche gilt für Religion. Der Schwimm-Unterricht ist ganz gestrichen, "personell zu aufwendig", so Ludwigs.

Von kleinen, überschaubaren Klassen kann oft nicht die Rede sein, weil Kinder in Parallel-Klassen verteilt werden. - Schulrätin Hund kennt die Probleme und kann kaum helfen. "Die Schulen, die momentan besonders stark betroffen sind, versuche ich künftig besser zu versorgen, damit der Unterricht und andere Angebote nachgeholt werden können." Ein schwacher Trost für die Betroffenen. Hund: "Früher konnten wir beziehungsweise die Schulen sich ihre Bewerber aussuchen. Heute ist es oft genau andersherum." Da sagt eine frisch ausgebildete Lehrerin eine Stelle im Rhein-Kreis zu, um zwei Tage später abzusagen, weil sie in einem anderen Regierungsbezirk eine bessere Stelle gefunden hat. Ein Problem sind die Bedingungen, die Grundschullehrerinnen vorfinden: In der Regel gibt es für sie nur befristete Verträge.

Vor allem die Vertretung für Lehrerinnen, die in Mutterschutz gehen, ist wenig attraktiv. Weiß auch die Schulrätin: "Ein Vertrag für dreieinhalb Monate - wer macht das schon?" Die Chance, direkt eine feste Stelle zu bekommen, "ist relativ gering". Seltene Fächerkombinationen und ein sehr gutes Examen sind sowieso Grundvoraussetzungen. Zurzeit sind im Regierungsbezirk 20 volle Stellen unbesetzt, alleine drei im Rhein-Kreis. Bewerberinnen gibt es so gut wie keine. Hund rät zum Lehramtsstudium: "Die Altersstruktur der Lehrer lässt erwarten, dass bald viele Stellen frei werden, auf der anderen Seite ist der demographische Rückgang der Schülerzahlen wohl nicht so stark."

Das hilft der Karl-Kreiner-Schule im Moment nicht. Auf personelle Alternativen will Ursula Ludwigs nur ungern zurückgreifen: "Ich möchte ja nicht das halbe Kollegium mit nicht voll ausgebildeten Kräften besetzen."

(NGZ)