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Neuss: Aktion gegen Komasaufen

Neuss : Aktion gegen Komasaufen

Zum ersten Mal haben sich gestern Vertreter aller Kreiskommunen zur ersten Jugendschutzkonferenz getroffen. Sie wollen künftig stärker zusammenarbeiten, um dem Problem "Jugend und Alkohol" Herr zu werden.

Die Zahlen sind alarmierend. Allein während der Karnevalstage wurden im vergangenen Jahr im Lukaskrankenhaus 16 Jugendliche mit Alkoholvergiftungen eingeliefert, zehn von ihnen mussten stationär behandelt werden. Fast jeder zweite Schüler im Rhein-Kreis Neuss hat schon Erfahrungen mit dem sogenannten Komasaufen, dem Alkoholtrinken bis zur Bewusstlosigkeit, gemacht und mehr als 40 Prozent der Jugendlichen trinken — wenn sie Alkohol trinken — gleich fünf oder mehr Gläser.

Diese Liste mit Daten aus dem Rhein-Kreis, erhoben von der Polizei oder der Kreisverwaltung in der großangelegten Studie im vergangenen Jahr, ließe sich noch weiter fortführen. Sie wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das auch im Kreis vorkommt. Bei Abi-Feiern, in den Innenstädten, bei Musikveranstaltungen oder auf Schützenfesten trinken Jugendliche zu viel, zum Teil viel zu viel. Deshalb hat die Polizei jetzt zu einer kreisweiten Konferenz zu dieser Thematik eingeladen. Vertreter aller acht Städte und Gemeinden kamen gestern zusammen, um unter dem Titel "ProJugend statt Promille" die Situation zu analysieren. Fazit: Künftig wollen sie verstärkt gemeinsame Aktionen auf den Weg zu bringen.

"Denn das ist kein reines Großstadtproblem", sagt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Trotz der höheren sozialen Kontrolle in kleineren Städten und Gemeinden liegen die Zahlen für den Kreis nicht unter den bundesweiten. Arnold nennt etwa die Situation in der Neusser Innenstadt als Beispiel für Konflikte in Zusammenhang mit Alkohol. "Außerdem fühlen sich zunehmend gerade ältere Leute von Jugendlichen bedroht, die vermehrt Alkohol trinken und dann herumpöbeln", sagt Sabine Rosenthal-Aussem, Leiterin des Kriminalkommissariates Kriminalprävention/Opferschutz. Konkrete Ergebnisse brachte die Konferenz gestern noch nicht. Das sei aber auch nicht das Ziel gewesen, sagt Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky, der aber "höchsten Handlungsbedarf" sieht. Künftig sollen aber bestehende Angebote besser gebündelt werden. "Oft laufen Projekte nebeneinander und die Initiatoren wissen gar nichts voneinander", sagte Hans-Jürgen Hallmann von der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW in seinem Vortrag.

Die Vertreter der Kommunen — für Neuss war Dezernent Stefan Hahn vor Ort — verständigten sich darauf, bei der nächsten Konferenz, die in Dormagen stattfinden soll, weitere an dieser Thematik Beteiligte ins Boot zu holen. Das sind etwa Projektträger, wie die Caritas. Ein Datum für die nächste Konferenz gibt es noch nicht.

(NGZ)