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Neuss: Ärztin kämpft um Anerkennung

Neuss : Ärztin kämpft um Anerkennung

In ihrer Heimat Kasachstan ist Uliana Schaton Zahnärztin – in Deutschland, wo sie seit neun Jahren lebt, arbeitet sie stundenweise in einem Altenheim. Das Problem: Schatons akademische Ausbildung wurde in Deutschland nicht anerkannt. Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht aufgibt.

In ihrer Heimat Kasachstan ist Uliana Schaton Zahnärztin — in Deutschland, wo sie seit neun Jahren lebt, arbeitet sie stundenweise in einem Altenheim. Das Problem: Schatons akademische Ausbildung wurde in Deutschland nicht anerkannt. Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht aufgibt.

Fünf Jahre hat Uliana Schaton als Zahnärztin in Kasachstan gearbeitet. Seit sie mit ihrer Familie vor neun Jahren nach Deutschland kam, arbeitet sie stundenweise als Aushilfskraft in einem Altenheim. Auf 400-Euro-Basis als unqualifizierte Arbeitskraft.

Ärzte, Ingenieure, Lehrer oder Naturwissenschaftler, ihnen allen geht es kaum anders, als Uliana Schaton und ihrem Mann Sergej, einem Maschinenbauingenieur. "Ich habe eine Freundin, Zahnärztin wie ich, die arbeitet seit sechs Jahren als Praktikantin in einer Zahnarztpraxis und bekommt 400 Euro im Monat, weil sie zusätzlich die Praxis aufräumt. Eine andere hat völlig aufgegeben und arbeitet bei Lidl."

Aufgegeben haben Uliana Schaton und ihr Mann Sergej noch nicht, auch wenn es viele Geschichten gibt, die völlig entmutigend sind. Zum Beispiel die von Ulianas Vater: "Er war Chefarzt in einer Kinderklinik.

In Deutschland bekam er keine Stelle in einem Krankenhaus, weil da vorwiegend junge Leute arbeiten. Also machte er seinen Facharzt, um sich niederzulassen. Als er das geschafft hatte, bekam er aufgrund seines Alters keinen Kredit mehr für eine eigene Praxis. So kam auch er an einen 400-Euro-Job."

Als sie vor neun Jahren nach Deutschland kamen, waren Uliana Schaton und ihr Mann wie viele andere Akademiker aus Kasachstan zuversichtlich, es mit Fleiß, Ehrgeiz, Berufserfahrung und ihren Universitätsabschlüssen mit Bestnoten hier zu schaffen: "Wir haben uns damals gar keine Gedanken gemacht", erzählt sie. Nach dem Sprachkursus schien ihr der Antrag auf Anerkennung ihrer Ausbildung als formaler Schritt.

Mitte November 2002 kam der Schock in Form eines Briefes in die kleine Familie: Einen Monat Zeit gab ihr die Otto-Benecke-Stiftung, zuständig für die Anerkennung der Hochschulabschlüsse von Spätaussiedlern und Kontingentflüchtlingen, um Berufserlaubnis, Abschluss und einen Praktikumsplatz nachzuweisen. "Ich bin damals von Praxis zu Praxis gegangen, es gibt ja sehr viele in Neuss, aber niemand war bereit, mir einen Praktikumsplatz zu geben", erinnert sich Uliana Schaton.

Auch die Bewerbung um einen Studienplatz, mit dem sie sich für die Anerkennung in Deutschland qualifizieren wollte, brachte eine Enttäuschung: "Mir wurden in Zahnmedizin nur drei vorklinische Semester anerkannt und mitgeteilt, dass es keinen Studienplatz für mich gäbe."

Wenig später kam ein Brief, der ihr vier vorklinische Semester in Humanmedizin anerkannte. "Hier war die Zeit, die bis zum Abschluss vor mir lag, kürzer, also entschied ich mich dafür", erzählt sie. Schwangerschaft und Babypause, Familie und die Arbeit im Altenheim verzögerten ihr Studium, das sie 2012 mit dem Examen beenden will.

Auch ihr Mann Sergej, dessen Studium hier anerkannt wurde, hat ein Jahrzehnt nach seiner Ankunft erstmalig die Chance, eine Stelle zu bekommen, die seiner Ausbildung entspricht: "Viele unserer Freunde aus Kasachstan gehen hier putzen, obwohl sie Akademiker mit besten Noten sind", fasst Tochter Margarete zusammen, "weil ihre Abschlüsse hier einfach nicht anerkannt werden."

(NGZ)