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Neuss: Ärger über Dreck am Rhein

Neuss : Ärger über Dreck am Rhein

Viele Neusser nutzen den Strand an den Rheinwiesen für private Grillfeiern. Ihren Müll lassen sie zurück, Wasser und Kies sind verdreckt. Mülltonnen darf die Stadt im Landschaftsschutzgebiet jedoch nicht aufstellen.

Leere Flaschen, Glasscherben und überall die Reste von privaten Grillfeiern: Der Strand an den Rheinwiesen, in der Nähe der Kardinal-Frings-Brücke, ist total verdreckt. Bernhard Anton will seinen Hund am Wasser nicht mehr laufen lassen. "Ich finde das unmöglich, was hier alles liegenbleibt", sagt der Spaziergänger.

Leere Flaschen und Plastikmüll liegen am Strand. Foto: Hanna Koch

An den vergangenen Wochenenden sind die Besucher offenbar mit großem Gepäck auf die Rheinwiesen gekommen. Zurück blieben mehrere Einkaufswagen, die nun am Ufer vor sich hin rosten. "Ich habe das Gefühl, es wird jedes Jahr schlimmer mit dem Müll", sagt Bernhard Anton, der die Rheinwiesen als Erholungsort schätzt. Er könne nicht nachvollziehen, warum Menschen der Umwelt solch einen Schaden zufügen. Zumal er immer auch viele Kinder am Wasser spielen sehe — bei solchen Verhältnissen viel zu gefährlich, findet er. "Und ich verstehe auch nicht, warum am Rhein keine Mülleimer stehen", sagt Anton.

Sogar Einkaufswagen haben Besucher am Rhein zurück gelassen. Foto: Hanna Koch

"Weil die Rheinwiesen Landschaftsschutzgebiet sind", erläutert Stadtsprecher Peter Fischer. Offiziell ist dort Grillen gar nicht erlaubt — die Stadt duldet es aber. So kommt es, dass sich auf dem Kies der Müll sammelt: Flaschen mit Grillanzünder, benutzte Einweggrills und Fleischverpackungen liegen am Strand. Ein eifriger Bastler hat mit Steinen einen eigenen Grill gebaut. Den Rost hat er liegen gelassen, Speisereste inklusive. Die nächsten Mülleimer stehen oben auf dem Deich — der Weg dorthin ist vielen Besuchern offenbar zu weit.

Der Neusser Entsorger AWL hat deswegen unter der Kardinal-Frings-Brücke zusätzliche Mülltonnen aufgestellt. "Denn das Problem ist ja schon länger bekannt", sagt AWL-Sprecher Jürgen Scheer. Genutzt hat die Initiative offenbar nichts, denn alle paar Meter liegt der Müll, der nicht nur unschön aussieht, sondern auch der Umwelt schadet. "Tiere können sich an Scherben und Metallschrott verletzen", sagt Sabrina Henkel von der Naturschutzorganisation Nabu. Auch sie geht mit ihrem Hund regelmäßig am Rhein spazieren. Ihre Einschätzung ähnelt der von Spaziergänger Bernhard Anton: "Der Müll nimmt zu." Verletze sich ein Tier an einer Scherbe, könne dies schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung führen. Auch der Plastikmüll bereitet ihr Sorgen. Denn wenn die Tiere den verschlucken, könne das zu Erstickungen führen. Oder, wenn das Plastik den Magen-Darm-Track versperre, zu qualvollem Hungertod.

Die Stadt will nun gegensteuern: "Wir haben die AWL mit der Reinigung beauftragt", sagt Stadtsprecher Fischer. Schon heute soll die Putzkolonne anrücken. Die Verwaltung werde die Situation im Auge behalten, versichert Fischer. Zwar seien Mülleimer im Landschaftsschutzgebiet weiter nicht möglich, "aber Hinweisschilder sind eine Option", sagt Fischer.

(NGZ)