Neuss: Advent zieht mehr Bettler in die Stadt

Neuss : Advent zieht mehr Bettler in die Stadt

In der Innenstadt herrscht derzeit buntes Weihnachtstreiben. Für Bettler bedeutet die Adventszeit die Hoffnung auf großzügigere Spenden. Verboten ist die Bettelei nicht, allerdings warnt die Polizei vor dubiosen Spendensammlern.

In der Adventszeit erhoffen sich die Bettler auf den Straßen der Neusser Innenstadt ein paar Euro mehr von den Passanten. Schließlich steigt in der Vorweihnachtszeit die Wohltätigkeit vieler Menschen.

Dafür setzen sich die Bettler auch in diesen Tagen auf den kalten Boden. Die Stadt duldet das Bitten um Almosen, dennoch gibt es ein paar Regeln einzuhalten. So dürfen körperliche Leiden oder verstümmelte Gliedmaßen nicht zur Schau gestellt werden. Vor allem im Winter achten Ordnungs- und Jugendamt darauf, dass die Bettler nicht mit Babys auf dem Bürgersteig sitzen.

"Außerdem soll nicht aggressiv gebettelt werden, also die Passanten dürfen nicht angesprochen oder gar angefasst werden", erklärt Stadtsprecher Peter Fischer. Besondere Probleme bereiten die Bettler der Stadt nicht, auch seitens der Einzelhändler gibt es laut Peter Fischer selten Beschwerden über Bettelei vor dem eigenen Geschäft. Allerdings warnt die Kreispolizei derzeit vor dubiosen Spendensammlern.

Sie wurden zuletzt Anfang der Woche in der Grevenbroicher Innenstadt gesichtet: Dort hatte sich eine junge Frau als Taubstumme ausgegeben und den Passanten auf dem Parkplatz eines Discounters vorgegaukelt, sie sammle Spenden für Behinderte. Die Frau wurde als Betrügerin vorläufig festgenommen. Dagegen seien Fälle einer Bettel-Mafia, meist aus Osteuropa, bei der organisierte Banden auch Kinder auf die Straße schicken, zumindest in Neuss nicht bekannt. Dies bestätigt auch die Kreispolizeibehörde. Stattdessen bessern sozial schwache Mitmenschen mit dem Sammeln von Pfandflaschen aus Mülleimern ihren Lebensunterhalt auf. Dafür gibt es gute und weniger gute Gegenden. Zu Revierkämpfen untereinander habe dies jedoch in Neuss bisher nicht geführt, sagt ein Polizeisprecher.

Eine weitere Möglichkeit des legalen Geldverdienens ist der Verkauf der Straßenzeitung "fiftyfifty". Das Magazin ist für 1,90 Euro erhältlich. Die eine Hälfte davon (95 Cent) darf der Verkäufer behalten, die andere hat er vorher bereits für den Ankauf eines Exemplars beim Herausgeber bezahlt. Manchmal kommt es allerdings vor, dass weggeworfene Zeitungen von Bettlern erneut verkauft werden. Diesem Betrug möchte die gemeinnützige Organisation aus Düsseldorf, die die Hefte produziert, vorbeugen: "Jeder Verkäufer muss gut sichtbar einen Ausweis tragen, auf dem seine persönliche Nummer steht, die auch auf den Titelseiten seiner Zeitungen gestempelt ist", erklärt "fiftyfifty"-Büroleiterin Magdalena Risch. Die Verkäufer sollen zudem nur in der Stadt, in der sie auch gemeldet sind, tätig sein. Verschiedene Ausweisfarben —für Neuss ist es weiß — machen dies deutlich. "Polizei und Ordnungsamt kontrollieren intensiv, dass es sich um von uns registrierte Verkäufer handelt", sagt Risch.

Nicht als Bettelei zählt heutzutage die Straßenmusik. Sie zählt zur Kleinkunst. Das Amt für Verkehrsgelegenheiten erteilt dafür die Genehmigungen. Die Gebühr pro Tag liegt zwischen zehn und 25 Euro. Nach 30 Minuten muss der Standort gewechselt werden. Das Amt achtet zudem darauf, dass nie mehr als drei Musiker und Musikgruppen gleichzeitig in der City spielen.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE