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Neuss: Acument heißt jetzt Ruia

Neuss : Acument heißt jetzt Ruia

Gestern hat die indische Ruia Group offiziell den Neusser Standort des ehemaligen Unternehmens Acument übernommen. Präsident Pawan Ruia betonte bei der Schlüsselübergabe sein Ziel eines langfristigen Engagements.

In der alten Produktionshalle des Automobilzulieferers Acument, zwischen Maschinen und unter Heizlampen, arbeiteten gestern keine Männer in blauen Overalls – gestern gab es dort Häppchen, Getränke und eine feierliche Schlüsselübergabe: Nach überstandenem Insolvenzverfahren hat jetzt die Ruia Group die Geschicke bei ehemals Acument übernommen. Der Präsident des indischen Unternehmens, Pawan Kumar Ruia, bekam von Insolvenzverwalter Dr. Wolf von der Fecht insgesamt fünf Standorte in Deutschland übertragen – neben Neuss auch in Beckingen, Neuwied, Schrozberg und Köln. Die fünf Werke firmieren ab sofort unter dem Namen Ruia Global Fasteners AG. Die Ruia Group hat in Kalkutta ihren Hauptsitz.

Das frühere Firmenlogo von Acument am Neusser Standort. Foto: woi

Weil das Neusser Werk abhängig von der Automobilindustrie ist, und diese im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Produktion enorm zurückfuhr, brach auch bei Acument der Umsatz ein. Die Folge war eine drohende Zahlungsunfähigkeit und das Anmelden des Insolvenzverfahrens im August 2009. Es brachte dem Neusser Spezialunternehmen für Schrauben- und Verbindungstechnik weitreichende Einschnitte und Veränderungen: 326 Stellen wurden abgebaut und der Standort an der Zufuhrstraße wurde um 16 000 Quadratmeter verkleinert. Gestern war das aber nur am Rande Thema – denn es galt, die Sicherung des Standortes und die gute Zusammenarbeit zwischen Insolvenzverwalter, Unternehmen und der IG Metall zu feiern. Auch NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger stimmte in den Lobgesang ein: "Mich freut, dass für die 315 Beschäftigen in Neuss durch die Übernahme der indischen Ruia Group eine aussichtsreiche Perspektive gefunden wurde." Ermöglicht hatten das vor allem wieder steigende Auftragszahlen.

Die Unternehmensgruppe Ruia, daran wollte der Präsident keinen Zweifel aufkommen lassen, verfolge eine langfristige Strategie: "Keiner der deutschen Standorte wird nach Indien verlegt", sagte Pawan Ruia und meinte: "Ich habe schon immer von deutscher Präzision und Qualität geschwärmt und bin stolz, jetzt Spitzenreiter aus Deutschland im Unternehmen zu haben." Er wolle die teure Technologie aus Deutschland mit indischer Kosteneffizienz verbinden. Der Neusser Werksleiter, Stephan Niederstein, sagte: "Ich halte die übrigen Arbeitsplätze für sicher."

Wie es am Standort mit den geräumten Flächen jenseits des Weißenberger Weges weitergeht, bleibt abzuwarten. "Die Flächen liegen bei uns. Wir werden mit der Stadt Lösungen erarbeiten", kommentierte Insolvenzverwalter Dr. Wolf von der Fecht. Frank Wolters, städtischer Wirtschaftsförderer, sagte zumindest so viel: "Es gibt konkrete Angebote seitens der Stadt und mehrere Interessenten."

(NGZ)