Neuss: Achteinhalb Jahre Haft für Neusser Netto-Räuber

Neuss : Achteinhalb Jahre Haft für Neusser Netto-Räuber

Er feierte seine Hochzeit in Kenia unter Palmen – jetzt muss er diese Idylle für achteinhalb Jahre gegen eine Gefängniszelle eintauschen. Das Kölner Landgericht hat gestern den Neusser Marius L. wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Er feierte seine Hochzeit in Kenia unter Palmen — jetzt muss er diese Idylle für achteinhalb Jahre gegen eine Gefängniszelle eintauschen. Das Kölner Landgericht hat gestern den Neusser Marius L. wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Der frühere Polizist hatte in den vergangenen Jahren bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Der Neusser war nämlich als so genannter "Netto-Räuber" unterwegs. Ohne große Regung nahm der 38-Jährige das Urteil der Kölner Richter, das ein halbes Jahr über der Forderung der Staatsanwaltschaft gelegen hatte, entgegen. "Unser Ziel war eine Strafe, die unter zehn Jahren liegt", sagte Rechtsanwalt Andreas Bartholomé, "möglicherweise kann Herr L. einen Teil der Strafe auch im offenen Vollzug verbüßen."

Marius L. war bei seinen insgesamt 34 Raubüberfällen recht dreist vorgegangen. Ein alter Schulfreund, der zur Tatzeit als Gebietsverkaufsleiter für die Supermarkt-Kette Netto am Niederrhein gearbeitet hatte und gestern als "Komplize" zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, hatte ihm Insiderwissen verschafft. Damit stellte sich der Neusser anschließend in den einzelnen Netto-Filialen bundesweit als "Revisor" vor und gab an, er müsse eine neue Übung durchführen — eine "Überfall-Übung". Dann zog er eine Waffe, hielt sie dem verdutzten Personal vor und verlangte die Herausgabe der Einnahmen. Die Angestellten übergaben ihm das Geld und ließen sich einschließen — immer in dem Glauben, der "Revisor" käme wieder zurück.

750 000 Euro erbeuteten der Neusser und sein Komplize. Während der Netto-Gebietsverkaufsleiter seinen Beute-Anteil verspielte, lebte Marius L. von dem Geld in Kenia. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er auch ein gemeinsames Kind hat. Für viele Opfer der Überfälle hatten die Taten erhebliche Spätfolgen. Manche sind bis heute in psychiatrischer Behandlung, andere mussten sogar ihre Arbeitsstelle aufgeben. Das Gericht ordnete deshalb an, dass die beiden Angeklagten an die Opfer Schmerzensgelder von mehr als 20 000 Euro zahlen müssen.

(jco)
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