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Neuss: Acht Jahre Haft nach Bluttat am Berghäuschensweg

Neuss : Acht Jahre Haft nach Bluttat am Berghäuschensweg

Nach dem gewaltsamen Tod einer 64-jährigen Frau muss ein Neusser jetzt für acht Jahre ins Gefängnis. Das hat das Düsseldorfer Landgericht Montag entschieden. Der 56-Jährige hatte bereits bei der Polizei gestanden, das Opfer zunächst gewürgt und anschließend mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet zu haben.

Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung lagen bei der Beurteilung der Geschehnisse in der kleinen Wohnung am Berghäuschensweg am letzten Verhandlungstag nicht weit auseinander. So hielt Staatsanwalt Matthias Ridder dem Angeklagten zugute, dass er das spätere Opfer immer wieder in seiner Wohnung hatte übernachten lassen, obwohl die 64-jährige Obdachlose ihm fast ständig Ärger bereitete. "Das ging nach dem Motto: Dann lass ich sie halt rein und habe meine Ruhe", so Ridder imPlädoyer.

Die Verteidigung beschrieb das Opfer als "aggressiv", "laut" und häufig auch beleidigend. "Hier hat sich über Jahre eine Situation aufgeschaukelt", gab der Anwalt des Neussers zu bedenken. "Am Tattag hat ein Streit das Fass zum Überlaufen gebracht." Die Gutmütigkeit seines Mandanten habe letztlich zu dieser tragischen Tat geführt. Die Angeklagte habe in der Wohnung für Ärger und "Radau" gesorgt, der 56-Jährige habe deshalb bereits befürchtet, dass sein Vermieter ihm kündigen könnte. Der Anwalt wertete die Tat als "minderschweren Fall" und beantragte letztlich "maximal sieben Jahre Haft".

Staatsanwalt Matthias Ridder dagegen forderte zehn Jahre Gefängnis. "Wir müssen auch die Vorstrafen berücksichtigen", so Ridder, "unter anderem hat der Angeklagte bereits wegen sexuellen Missbrauchs vier Jahre in Haft gesessen." Außerdem habe der Neusser die Tat mit großer Wucht ausgeführt und 35 Mal mit einem Messer auf den Oberkörper der Frau eingestochen. Das Opfer sei letztlich aufgrund eines enormen Blutverlustes gestorben.

Richter Rainer Drees folgte weitestgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, beließ es aber bei acht Jahren Gefängnis. "Ihr frühes Geständnis bei der Polizei hat ihnen zwei weitere Jahre Haft erspart", so Drees, der für einen "minderschweren Fall" nicht genügend Anhaltspunkte sah. Gegen das Urteil ist eine Revision möglich.

(mape)