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Neuss: Abfahrt Büttgen ab heute frei

Neuss : Abfahrt Büttgen ab heute frei

Vordergründig war es "nur" eine Autobahnaussfahrt, tatsächlich aber schon lange auch ein Politikum. Nicht zuletzt deshalb forcierte der Landesbetrieb Straßen NRW die Bemühungen für eine vorzeitige Öffnung. Heute ist es soweit.

In 35 Dienstjahren als Bauleiter hat Peter Guth (62) eines gelernt: Timing. Das will er als Bauleiter der Arbeitsgemeinschaft mehrerer Firmen, die im Auftrag von Straßen NRW die Autobahn 57 zwischen den Kreuzen Kaarst und Neuss-West verbreitert, auch heute unter Beweis stellen. Wenn nämlich wie versprochen die Anschlussstelle Büttgen für den Verkehr wieder freigegeben wird. Zwar sechs Wochen später als erhofft, aber vier Monate früher als vertraglich vereinbart.

Zwei "Altlasten" hatten im Frühjahr die eng getaktete Zeitplanung für den Ausbau in Richtung Köln durcheinander gebracht und auch den Bauleiter gezwungen, seine Kräfte umzugruppieren. Denn weil Trag- und Bindeschicht im Unterbau der Fahrbahn viel zu dünn für die Belastung durch den Verkehr waren, reichte es nicht, die Deckschicht abzufräsen und zu erneuern. Nein, eine Grundsanierung wurde nötig. "Was die in den 70er-Jahren gebaut haben, ist für mich als Bauingenieur nicht nachvollziehbar", ärgert sich Guth.

Auch durch den Neuaufbau wird es nun dazu kommen, dass der Höhenunterschied zwischen der Fahrbahn alt und dem neuen Niveau satte 34 Zentimeter beträgt. Das heißt: Die Ausfahrt, die heute für den Verkehr wieder freigegeben werden soll, muss Mitte Oktober noch einmal für einige Tage gesperrt werden, um die Niveaus anzugleichen. "Wenn ich jetzt eine Mittelüberfahrung baue, wird das eine Sprungschanze", sagt Guth.

Erst einmal aber wird geöffnet. Denn die Abfahrt Büttgen — die Zufahrt war immer frei — ist längst ein Politikum. Das belegen nicht nur Briefe und Anfragen vom Landrat oder dem Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings, sondern auch Besuche von Politikern in der kleinen Containerstadt, die an der Anschlussstelle Holzbüttgen entstanden ist und die nicht zuletzt Wohnquartier für die Bauarbeiter auf der Baustellenautobahn ist. Die Öffnung jetzt, so weiß Guth, "hat vor allem eine moralische Wirkung."

Andererseits: Guth muss die Anschlussstelle auch frei machen, denn im September wird er in Fahrtrichtung Köln Zu- und Abfahrt Holzbüttgen für mindestens zehn Tage speren müssen. Auch das, weil die Fahrbahnen dieser Teilstücke weniger tragfähig sind als zunächst angenommen. Ein Einsatz im Zwei-Schicht-Betrieb und das an sechs Tagen in der Woche soll das Problem rasch lösen.

Mit den reinen Asphaltierungsarbeiten waren die Baukolonnen noch am Donnerstag fertig geworden, gestern folgten Nacharbeiten wie Schneiden und Vergießen, bevor am Abend die Markierungsarbeiten beginnen konnten. "Wenn ich etwas verspreche, dann halte ich das auch", betont Guth, der den 30. Juli als Tag der Öffnung zugesichert hatte. Das klappt — selbst wenn es gestern aus Kübeln geschüttet hätte.

(NGZ/ac)