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Neuss: A46-Mord: Kampf um das Erbe des Opfers

Neuss : A46-Mord: Kampf um das Erbe des Opfers

Die Erben des Neusser Mordopfers Berthold Franzmann kämpfen um seinen Nachlass. Denn der Täter hat knapp 20.000 Euro entwendet.

Über zwei Jahre ist der Mord an dem Neusser Berthold Franzmann her, aus Habgier war er von einem Autoverkäufer ermordet worden. Seine Erben lässt der Fall weiterhin nicht los: "Wir waren beste Freunde", sagt Olaf Tilmes. Er kämpft mit seiner Frau Birgit um den Nachlass des Toten. "Auch weil wir hoffen, ihm dadurch wenigstens etwas Gerechtigkeit zu verschaffen", sagt Tilmes.

Das Ehepaar, das einst in Krefeld und heute in Berlin lebt, will jenes Geld zurückholen, das der wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilte Mustafa B. ihrem Freund gestohlen hatte.

Der Mordfall hatte vor zwei Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht: Im April 2011 hatte ein Bauarbeiter die Leiche von Berthold Franzmann am Rande der A46 bei Uedesheim zufällig entdeckt. Später stellte sich heraus, dass der Täter, Autoverkäufer Mustafa B, den toten 57-Jährigen zunächst in verschiedenen Neuwagen im Neusser Autohaus "zwischengelagert" hatte, bevor er ihn an der Autobahn verscharrte.

Grund für die Tat war Habgier: Franzmann war Kunde bei Mustafa B. gewesen, bestellte bei ihm einen "Dacia Duster". Doch der Verkäufer unterschlug die Anzahlung in Höhe von 9500 Euro. Später, als Franzmann seinen Neuwagen abholen wollte, kam es zum Streit, B. schlug sein Opfer zu Boden. Als er die Leiche durchsuchte, fand er 10 000 Euro — vermutlich die Restzahlung für den Neuwagen. Auch dieses Geld stahl Mustafa B.

Seit dem Gerichtsverfahren gegen den Autoverkäufer, der im Prozess aussagte, seine Spielsucht habe ihn zu dem Mord getrieben, versuchen Olaf und Birgit Tilmes, das gestohlene Geld ihres Freundes zurückzuholen. "Wir sind ihm das schuldig", sagt Olaf Tilmes, der Franzmann als einen Menschen beschreibt, der nie aufgab. "Ich habe seine Stimme noch deutlich im Ohr", sagt Tilmes, der mit seiner Frau immerhin schon einen Teilerfolg verzeichnen konnte: Die Anzahlung über 9500 Euro, die Mustafa B. unterschlagen hatte, ist über die Haftpflichtversicherung des Autohauses erstattet worden.

"Wir sehen das Autohaus aber auch in der Verantwortung, die restlichen 10.000 Euro zurückzuzahlen", sagt Olaf Tilmes. Schließlich habe es sich auch dabei um eine Zahlung an das Unternehmen gehandelt. "Und ich sehe eine moralische Verpflichtung dem Opfer gegenüber", meint der Erbe.

Das Autohaus hat die Angelegenheit abgegeben: "Der Fall liegt bei der Versicherung", sagt eine Unternehmenssprecherin auf NGZ-Anfrage. Genau das stört das Ehepaar Tilmes, das mit der Gegenseite nie persönlich in Kontakt kam. "Alles lief immer über Anwälte, das Autohaus hat sich nie direkt an uns gewandt", sagt Olaf Tilmes, der erzählt, wie schwer es ihm fällt, den Fall ruhen zu lassen. Denn er meint zu wissen, was sein Freund Berthold zu dem Nachlass-Streit gesagt hätte: "Das kann doch nicht wahr sein" — und: "Lasst euch nicht unterkriegen!"

(NGZ)