1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: A 46-Toter: Anklage auf Mord

Neuss : A 46-Toter: Anklage auf Mord

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Dormagener Autoverkäufer, der im Januar den Neusser Berthold Franzmann getötet haben soll, Anklage wegen Mordes erhoben. Prozessbeginn soll noch in diesem Jahr sein.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat im Fall des Autobahntoten an der A 46 Anklage wegen Mordes erhoben. Das bestätigte die zuständige Staatsanwältin Britta Schreiber gegenüber unserer Zeitung. Sie wirft dem mutmaßlichen Täter, einem 29 Jahre alten Autoverkäufer aus Dormagen, vor, im Januar den Neusser Berthold Franzmann getötet und in einem Waldstück an der A 46 in der Nähe der Fleher Brücke vergraben zu haben. Prozessauftakt könnte, so Schreiber, noch in diesem Jahr, vielleicht schon im November, sein.

Für Schreiber ist es ganz klar, dass die Anklage auf Mord und auf Totschlag lauten muss: "Die Tat ist geschehen, um eine Geldunterschlagung zu vertuschen. Darin liegt die besondere Schwere der Tat." Die Anklageschrift liegt nun beim Landgericht, der Fall wird vor dem Schwurgericht, einer besonderen Strafkammer, verhandelt werden. Jetzt erhält der Verteidiger des Beschuldigten die Unterlagen und die Möglichkeit, sich zu äußern.

Nur einem Zufall war es zu verdanken, dass der Mord an dem Neusser Franzmann überhaupt aufgeklärt werden konnte: Weil eine Hand des Toten aus der Erde ragte, hatte ein Bauarbeiter Ende April die Leiche des Frührentners in einem kleinen, unzugänglichen Waldstück an der A 46 bei Uedesheim entdeckt. Mit der Tat wollte der verschuldete Familienvater aus Dormagen die Unterschlagung von 9500 Euro vertuschen, die das Opfer für den Kauf eines Neuwagens bar angezahlt hatte.

Der Autokauf des Opfers brachte die Ermittler letztlich auf die richtige Spur. Durch Bekannte des zurückgezogen in der Nordstadt lebenden Franzmanns wussten sie, wo er sich den neuen Dacia zulegen wollte. In einem Neusser Autohaus richtete sich der Tatverdacht gegen den Autoverkäufer. Als das spätere Opfer die Anzahlung für den rund 20 000 Euro teuren Neuwagen in bar ablieferte, soll der Verkäufer das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.

Dann verzögerte der Festgenommene über Wochen die Auslieferung des Autos. Als der krebskranke Franzmann Mitte Januar endlich die Abwicklung des Geschäftes und die Herausgabe des Fahrzeuges forderte, kam es zum Streit. In deren Verlauf hat der Dormagener, der offenbar viel Geld in Spielhallen ließ und Verbindlichkeiten von über 20 000 Euro hat, Franzmann in der Nähe des Autohauses getötet.

Weil er nicht wusste, wohin mit der Leiche, versteckte er sie erst in einem Gebüsch in der Nähe des Autohauses. Dann, so Staatsanwältin Schreiber, legte er sie in den Kofferraum eines Gebrauchtwagens, der auf dem Gelände stand. Dem mutmaßlichen Täter droht "lebenslänglich". Er wird noch gutachterlich auf seine Schuldfähigkeit untersucht.

(NGZ)