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Neuss: A 46-Mord: Zwölf Jahre Haft

Neuss : A 46-Mord: Zwölf Jahre Haft

Acht Monate nach dem Fund der Leiche von Berthold Franzmann an der A 46 bei Uedesheim ist Autoverkäufer Mustafa B. wegen der Tötung des Mannes schuldig gesprochen worden. Das Urteil: zwölf Jahre Haft.

Weil er einen Kunden getötet hat, muss ein Neusser Autoverkäufer für zwölf Jahre in Haft. Das hat das Landgericht gestern entschieden. Die Schwurgerichtskammer verurteilte den 29-jährigen Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Mordes. Er hatte das Opfer nach der Tat an der A46 bei Uedesheim vergraben, hier war die Leiche Monate nach dem Mord gefunden worden. Das Urteil ist rechtskräftig, weder Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung wollen Revision einlegen.

Wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt: Mustafa B. Foto: Horst Ossinger dpa

Mit gesenktem Kopf vernahm der Autoverkäufer das Urteil — mit zwölf Jahren Gefängnis blieb das Gericht unter der Höchststrafe. "Lebenslänglich" hatte die Staatsanwaltschaft beantragt. "Für mich ist es ein Mord", hatte Staatsanwältin Britta Schreiber erklärt, "der Angeklagte hat seinen Kunden mit einem Kabel letztlich erdrosselt." Doch das konnte im Prozess nicht zweifelsfrei geklärt werden. Selbst mehrere Gutachter hatten nicht herausfinden können, ob das Würgen mit einem Kabel aus der Werkstatt des Autohauses todesursächlich war. Deshalb musste es Richter Rainer Drees bei einer Verurteilung wegen "versuchten Mordes" belassen. Sicher war sich das Gericht, dass der Autoverkäufer in jedem Fall wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen war.

Franzmann hatte den Angeklagten Mitte Januar 2011 im Autohaus an der Moselstraße aufgesucht, um seinen im Mai bestellten Neuwagen abzuholen. "Beide haben sich gestritten, es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung", so Drees. Der Frührentner ging zu Boden, wurde bewusstlos — für den Angeklagten eine günstige Gelegenheit, um sich von einem "Problem" zu befreien, so Staatsanwältin Schreiber. "Er hatte die Anzahlung des Kunden in Höhe von 9500 Euro veruntreut, der Tod kam ihm entsprechend sehr gelegen." Der Angeklagte äußerte sich erst gestern zu dem Vorfall: "Ich bedauere zutiefst, was passiert ist", sagte der Dormagener, "ich übernehme dafür die Verantwortung."

Revision wollen weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung einlegen. "Angesichts der schwierigen Beweislage bin ich damit zufrieden", sagte Staatsanwältin Schreiber. Rechtsmediziner hätten kaum Verwertbares an der Leiche feststellen können. Auch die Verteidigung zeigte sich einverstanden. "Zwölf Jahre sind eine lange Zeit", meinte Anwalt Gerd Meister, "dennoch gibt das Urteil meinem Mandanten eine Perspektive. Das wäre bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe nicht der Fall gewesen."