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75 Jahre Rheinische Post: Partnerschaft mit Neuß-Grevenbroicher Zeitung

75 Jahre Rheinische Post : Zwei Zeitungen, ein Standpunkt

Seit 1950 sind die Neuß-Grevenbroicher Zeitung und die Rheinische Post partnerschaftlich verbunden. Diese Erfolgsgeschichte trägt die Schwesterzeitungen auch in die Zukunft.

Die Geschichte der Rheinischen Post, die in diesen Tagen ihr 75-jähriges Bestehen feiert, ist eng verwoben mit Historie und Entwicklung der älteren NGZ. In diese Partnerschaft brachten beide Zeitungsschwestern bereits zum 1. Dezember 1950 ihre Stärken ein. Die NGZ, gegründet 1873 als Heimatzeitung, schöpfte die Berichterstattung für den umfangreichen Lokalteil aus ihrer engen Verbindung zu Land und Leuten in Stadt Neuss und Kreis Grevenbroich. Die Rheinische Post steuerte als Stimme des Westens mit Ausrichtung auf überregionale Berichterstattung die Bundes- und Landespolitik, das große Feuilleton, die Welt der Wirtschaft und des Sports bei. Von dieser Symbiose profitierten die Leser, die bis heute aus Sicht der rheinischen Heimat verfolgen können, was lokal, national und international berichtenswert ist – aufbereitet von einem professionellen Team der Zeitungsmacher in Neuss und Düsseldorf.

Als Teil der Rheinischen Post Mediengruppe lebt die NGZ heute ihre lokale Stärke und besondere, eigenständige Kompetenz im Rhein-Kreis Neuss. Sie tut dies als gedrucktes Blatt, aber auch immer mehr mit nutzerfreundlichen digitalen Angeboten auf vielen Kanälen, Social Media inklusive.

Mit dem Verkauf ihrer Anteile an die Rheinische Post endet 2009 die verlegerische Tätigkeit der Gesellschaft für Buchdruckerei (GfB), die seit der Gründung als Verlag hinter der NGZ stand. Mit dem Verkauf endet aber nicht die Geschichte der NGZ, die als Titel mit eigenständiger Note und Bedeutung in ihrem angestammten Erscheinungsgebiet – Stadt und Rhein-Kreis Neuss – erscheint und hohe Anerkennung genießt. Wenn in diesen Tagen die Rheinische Post ihr 75-jähriges Bestehen feiert, dann feiert die ältere NGZ dieses Jubiläum freudig mit, denn sie ist längst als tragende Säule in einer der führenden Regionalzeitungen Deutschlands integriert. Anlass genug für einen kleinen Streifzug durch die Zeitungsgeschichte in Stadt und Landschaft Neuss.

Das Rheinland, so auch Neuss, war Mitte des 19. Jahrhunderts preußisch. Darin lag gesellschaftspolitischer Zündstoff, den die Neusser Historikerin Annekatrin Schaller so beschreibt: „Preußischer Protestantismus und rheinischer Katholizismus verkörperten zwei grundverschiedene Lebenswelten.“ Schaller ist Autorin eines Buches über die Geschichte der NGZ, das sie im Auftrag der Gesellschaft für Buchdruckerei verfasste und in wenigen Tagen vorgelegt wird. Ausführlich geht Schaller darin auf die Rahmenbedingungen während der Gründung der NGZ ein.

In Neuss versammelten sich um den Religionslehrer Ferdinand Rheinstädter und den Kaufmann Joseph Broix insgesamt 21 Weggefährten – Kaufleute, Landwirte, Notare und katholische Geistliche –, die sich rheinisch-katholisch geprägt, dem christlichen Menschenbild verpflichtet fühlten. Die Gruppe um Broix gründete bereits 1861 die bis heute mit fast 500 Mitgliedern aktiv operierende Bürgergesellschaft als „ideelle Keimzelle“, aus der sich zwei weitere kräftige Initiativen entwickelten: die Rheinland Versicherung (1880) für den Bereich Wirtschaft und 1873 eben die Gesellschaft für Buchdruckerei / Neuß-Grevenbroicher Zeitung für die Kommunikation. Jens Metzdorf, Leiter des Neusser Stadtarchivs, spricht von einem „Dreiklang“, den die Gruppe um Rheinstädter und Broix mit Bürgersinn intonierte.

Die Gründungsidee und die Bereitschaft, eigene finanzielle Mittel in die Umsetzung zu investieren, transferiert Wilhelm Werhahn, früherer Vorsitzender des GfB-Aufsichtsrates, in die Sprache der Gegenwart, wenn er von einem „katholischen Start-up“ spricht, das mit dem Einsatz von „hohem Risikokapital“ gestartet wurde – à fonds perdu. Damals ahnte niemand unter den Beteiligten, dass das Projekt auch wirtschaftlich erfolgreich sein würde.

Die Blütezeit der Neuß-Grevenbroicher Zeitung brach mit dem Neubeginn zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland an, realisiert in der Partnerschaft mit der Rheinischen Post. Zuvor stand die NGZ nahezu immer in Opposition zu den Mächtigen: das Königreich Preußen, das Deutsche Kaiserreich und schließlich die Nationalsozialisten. Diese Vorgeschichte mündete letztlich in der Kooperation der Zeitungsschwestern, zu der sich die Gesellschafter beider Verlage 1950 entschieden. Die NGZ hatte lange Jahre schweigen müssen. In Augen der nationalsozialistischen Machthaber störte das christliche Blatt katholischer Prägung den gleichgeschalteten Propagandaapparat. Am Ende stand 1937 das Erscheinungsverbot. Als die NGZ 1949 wieder erschien, traf sie in ihrem traditionellen Erscheinungsgebiet auf einen starken Mitbewerber. Die Rheinische Post hatte seit ihrer Gründung 1946 auch in der Leserschaft der Stadt Neuss und des Kreises Grevenbroich gut Fuß gefasst. Die Partnerschaft zum 1. Dezember 1950 brachte beide Zeitungen und ihre Stärken zusammen. In der damaligen Erklärung „An unsere Leser“, denen das Zusammengehen in der ersten gemeinsamen Ausgabe nahegebracht wurde, las sich das so: „Das ist die neue Zeitung – in Wirklichkeit die gute alte Zeitung, nur verbessert und in der Auflage verdoppelt. Wir stellen vor: Neuß-Grevenbroicher Zeitung – Rheinische Post.“

Die NGZ schreibt eine so lange Geschichte wie kaum eine andere Lokalzeitung in Deutschland. Ihr Weg wurde zu einem Gang durch die Schnittmenge, in der sich „Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte mit Zeitungs- und Journalistengeschichte, Medien- und Technikgeschichte, deutscher und lokaler Geschichte“ treffen (Schaller).

Für Hermann-Josef Kallen, Vorsitzender des GfB-Aufsichtsrates, waren die Zeitungsmacher nicht nur Chronisten der Ereignisse, sondern auch (Lebens-)Lotsen: Sie vermittelten „den Lesern in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht Orientierung am christlichen Menschenbild“. So beschränkten sich die NGZ-Redakteure nie darauf, Bote der bloßen Nachricht zu sein. Das „Pressehaus“ setzte Themen, hatte eine Meinung. Verbote und Zensur trafen die Zeitung, die dennoch – oder gerade deshalb – ihre ideellen Grundwerte wahrte. Der Titel Neuß-Grevenbroicher Zeitung in Frakturschrift genießt seit der Gründung Bestandsschutz. Mag er für junge Menschen manches Mal auch nur schwer lesbar sein, so beschreibt er als „Logo“ in Verbindung zur blauen Hausfarbe eine positiv besetzte Marke, die im Rhein-Kreis Neuss für lokale Kompetenz und engagierten Journalismus steht. So bleibt NGZ, was sie immer war: Eine zuverlässige Begleitung durch die Heimat. Unter dem Dach der Mediengruppe Rheinische Post wird ihre Geschichte fortgeschrieben.