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Neuss: 500.000 Euro mehr für Asylbewerber

Neuss : 500.000 Euro mehr für Asylbewerber

Der Stadt sind in den vergangenen Monaten deutlich mehr Asylbewerber zugewiesen worden. Damit steigen auch Kosten für die Unterbringung stark an: Zwei Millionen Euro hat die Verwaltung für dieses Jahr veranschlagt.

Ismael Guliev ist glücklich: Nach vier Jahren Wartezeit ist ihm und seiner Familie Asyl in Aussicht gestellt worden. "Jetzt kann ich endlich in Neuss heimisch werden", sagt der 33-Jährige, der aus der russischen Republik Dagestan geflohen ist. Mit diesem Wunsch ist der dreifache Vater nicht allein – viele Asylbewerber suchen Zuflucht in Deutschland, ihre Zahl ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Das macht sich auch in Neuss bemerkbar. Nicht nur, dass die Stadt neuen Wohnraum schaffen muss und dafür ein Hochhaus im Stadtteil Weckhoven anmietet (die NGZ berichtete), auch die Kosten für die Unterbringung steigen stark an. Rund zwei Millionen Euro sind für 2013 veranschlagt, 500 000 Euro mehr als im Vorjahr.

"Bis 2012 hatten wir stets zwischen 60 bis 80 Asylbewerber pro Jahr", berichtet Jürgen Hages, Leiter des Integrationsbüros. Doch die Zahlen haben sich verdoppelt: "In den vergangenen zwölf Monaten haben wir 161 neue Asylbewerber aufgenommen", sagt Hages. Die Flüchtlinge – einige bleiben nur wenige Wochen, andere Jahre – werden der Stadt vom Land zugewiesen. "Die Kosten müssen die Kommunen alleine schultern", kritisiert Hages. Ob, wann und wie viele Asylbewerber die Stadt in Zukunft aufnehmen muss, lässt sich nicht genau sagen, denn Nachricht darüber gibt es immer erst eine Woche vorher.

Zugewiesen werden die Flüchtlinge nach einer festgelegten Quote. "Steigt die Zahl der Asylbewerber deutschlandweit an, steigen prozentual gesehen auch die Zuweisungen an Neuss", erläutert Jürgen Hages. Allerdings sei nach dem Anstieg des Vorjahres nicht mit einem Rückgang zu rechnen, meint der Experte, der mit seinen Kollegen versucht, die Menschen in den Übergangsheimen so gut es geht zu integrieren. Ganz leicht ist das nicht: So dürfen die Asylbewerber im ersten Jahr nicht arbeiten, auch haben sie keinen Anspruch auf Integrationskurse. Um sie nicht alleinzulassen,werden alle drei Neusser Übergangsheime von Sozialarbeitern betreut. "Wir sind Ansprechpartner in allen Lebenslagen", sagt Sozialarbeiterin Afshan Sheikh.

Etwa im Umgang mit der deutschen Bürokratie oder wenn es um die Einschulung der Kinder geht. In den Ferien hat Sheikh ein Kinderprogramm organisiert, Ehrenamtler bieten Sprachkurse an, und eine Frauengruppe trifft sich regelmäßig. Dass immer jemand da ist, der zuhört, wissen die Bewohner zu schätzen: Das ist etwas Besonderes", sagt Ismael Guliev. Er begegnet der deutschen Ordnungsliebe mit einem Augenzwinkern: "Meine Sozialarbeiterin ist immer für mich da – wenn ich vorher einen Termin mache", sagt der 33-Jährige Aserbaidschaner, der aus Dagestan floh, weil er dort als liberaler Muslim verfolgt wurde.

"Extremisten schmierten Blut an unsere Tür, warfen Brandbomben in unser Haus", berichtet der Familienvater, der nun positiv in die Zukunft schauen möchte. Im Dezember soll seinem Asylantrag stattgegeben werden, bis dahin will der gelernte Schweißer und Automechaniker auf eigenen Beinen stehen. "Meine Familie träumt davon, dass wir in Neuss endlich in eine eigene Wohnung ziehen", sagt Guliev.

(NGZ)