1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: 50 Meter Kunst in der Schule

Neuss : 50 Meter Kunst in der Schule

20 Schüler der Herbert-Karrenberg-Schule haben in dieser Woche eine Wand ihrer Schule neu gestaltet. Geholfen hat ihnen bei diesem unübersehbaren Projekt der Künstler Rolf Jahn. Getragen wurde das Projekt vom Land NRW.

Kai malt einen Vogel an die Wand. Er ist schüchtern und verschlossen, antwortet mit wenigen Worten. Kai sagt nur, dass er Spaß hat. Der Junge ist Schüler der Herbert-Karrenberg-Schule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Lehrerin Petra Welschbillig ist von seiner Arbeit begeistert: "Vorher hat er nie gemalt, sein Talent haben wir erst jetzt entdeckt."

Kai und 19 Mitschüler haben in dieser Woche eine 50 Meter lange Wand in ihrer Schule neu gestaltet. Die Projektwoche war ein voller Erfolg. Die gelbe Wand mit ihren Vögeln, Raketen, und Pflanzen hebt sich deutlich vom sonstigen Grau der Schule ab. Sie macht das sauberen, aber in die Jahre gekommene Schulgebäude unverwechselbar.

Man muss schon sehr genau hinschauen, um erahnen zu können, dass hier kein studierter Künstler am Werk war, sondern Schüler. Der Künstler Rolf Jahn hat zwar mitgeholfen, aber das nur mir Rat und Tat, wie er betont.

Während einer Projektwoche im Februar hatte Jahn im Werkraum der Schule ein Atelier eröffnet. Alle Schüler haben damals fleißig gemalt. Sie lernten die "Raldystische Kunst". So nennt Jahn seinen abstrakten Malstil. Das Wort ist dabei ein Eigenbegriff aus der Kindheit des Künstlers. So wirkt seine Kunst zu malen auch sehr verspielt.

Leuchtende Farben und schnell gezogene Linien machen die Bilder aus. Motive sind Vögel mit lagen Schnäbeln, Menschen mit strubbeligem Haar und wilde Phantasiegebilde. Vielleicht arbeitet er auch deswegen gerne mit Kindern zusammen. Die schauen sich jedenfalls viel von ihm ab. "Der schönste Moment ist der, wenn alle 20 konzentriert arbeiten", sagt Jahn, "Die geben keinen Mucks von sich."

Die Zusammenarbeit mit Kindern der Förderschule stört ihn nicht — im Gegenteil: "Ich arbeite am liebsten in Förderschulen. Dort treffe ich einfach außergewöhnliche Menschen." Auch die Lehrer sind begeistert von dem Kunstprojekt: "Die Schüler arbeiten sehr konzentriert", staunt Konrektorin Petra Welschbillig. An der Förderschule ist das nicht selbstverständlich. Die Schüler sind eingeschränkt, lernen schwerer, haben Konzentrationsprobleme. Doch an ihrem Kunstwerk arbeiten sie sehr ruhig und zielstrebig. "Es ist ganz toll, wie viel Anerkennung die Kinder dadurch bekommen."

Die Förderung der künstlerischen und musischen Fähigkeiten ist der Lehrerin besonders wichtig. Daher sei sie auch froh über das Förderprogramm des Landes, mit dessen Geld das Projekt vollständig bezahlt wird. Die Stadt Neuss ist da knauseriger. Die gelbe Farbe für die Grundierung der Wand — 300 Euro — waren dem Gebäudemanagement zu teuer.

(NGZ)