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Neuss: "3M soll bekannter werden"

Neuss : "3M soll bekannter werden"

Interview In dieser Woche war 3M-Generaldirektor Günter Gressler zu Gast auf dem Blauen NGZ-Sofa. Im Gespräch mit Redaktionsleiter Ludger Baten sprach er über die Marke 3M und den Forschergeist seiner Mitarbeiter.

Herr Gressler, 3M ist einst als "Phantom" bezeichnet worden. Wem gehört der Konzern?

Gressler Als Aktienunternehmen sind wir in Streubesitz. Ein einzelner Besitzer lässt sich da nicht ausmachen. Wir sehen darin den Vorteil, dass es das Risiko minimiert, von einem Einzelaktionär unter Druck gesetzt zu werden.

3M gehört zu den größten Unternehmen weltweit. Doch als Marke ist der Konzern eher weniger bekannt.

Gressler In den USA ist der Name 3M tatsächlich mehr präsent. In Europa müssen wir daran noch arbeiten, insbesondere in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass wir uns weniger auf Consumer Produkte konzentrieren, als auf Produkte für die Industrie. Die Fachwelt kennt uns, der Privatkunde muss uns erst noch besser wahrnehmen.

3M bezeichnet sich als Multi-Technologiekonzern, wie sind Sie aufgestellt?

Gressler Wir haben weltweit über 40 Divisions, also Bereiche, die sich mit einzelnen Märkten beschäftigen. Etwa Flugzeugbau oder Automotive, Haushalt oder Medizin. Wir sind extrem breit aufgestellt.

Entsprechen breit ist Ihre Angebotspalette. Wie viele 3M-Produkte gibt es eigentlich?

Gressler Wir haben 50 000 Produktgruppen, die wiederum tausende Angebote enthalten. Eine Produktgruppe umfasst etwa die gelben Zettel – allein davon gibt es abermals Hunderte Varianten.

Und Sie bringen immer wieder neue Produkte heraus.

Gressler Weltweit beschäftigen wir 7000 Forscher, täglich werden neue Produkte entwickelt. Derzeit machen wir 36 Prozent des Umsatzes mit Produkten, die es vor fünf Jahren noch gar nicht gab. Zielmarke bis 2015 ist 40 Prozent.

Wie kann der Konzern da den Überblick behalten?

Gressler Wir sind nahe an den Kunden dran, fragen nach, was der Markt benötigt. Und dann ist unsere Stärke, schnell zu sein. Es geht darum, Ideen zu sammeln, zu prüfen und umzusetzen. Dazu gibt es einen sehr professionellen Prozess mit sieben Schritten, mit denen die Idee geprüft wird. Etwa zwei bis drei Jahre dauert es, bis ein neuer Artikel marktreif ist.

Wie motivieren Sie die Forscher, Ideen zu entwickeln?

Gressler 15 Prozent der Arbeitszeit ist für individuelle Forschung reserviert. Oft haben Wissenschaftler Vorschläge, die vom Vorgesetzten oder den Kunden nicht richtig gewürdigt werden. Sie sollen aber die Chance haben, diese Ideen weiter zu verfolgen. Wir stellen immer wieder fest, dass viele gute Produkte genau aus dieser Regelung kommen. So ist etwa die gelbe Haftnotiz entstanden. Unsere "Post-it" Haftnotizen kennt heute jeder.

Wo produzieren sie?

Gressler Weltweit haben wir 250 Werke. In Deutschland sind es zehn Produktionsstandorte, darunter in Kamen und Hilden. Neuss ist die Zentrale, hier laufen die Fäden des Deutschlandgeschäfts zusammen.

Läuft China Deutschland den Rang ab?

Gressler 3M hat in China eine sehr starke Niederlassung, dort sind mittlerweile mehr Menschen beschäftigt als in Deutschland. Aber es ist wichtig, dass wir auch in Europa stark vertreten sind. So werden etwa in Deutschland Dentalprodukte für den asiatischen Markt hergestellt. Die Marke "Made in Germany" ist international anerkannt – ein starkes Pfund für den deutschen Industriestandort.

Hanna Koch fasste das Gespräch zusammen

(NGZ)