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Neuss: 30.000 Kurden auf der Rennbahn

Neuss : 30.000 Kurden auf der Rennbahn

Zwei Wochen nach Schützenfest werden zehntausende Kurden zu ihrem traditionellen Kulturfestival auf der Rennbahn erwartet. Es gibt ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Auch die Polizei bereitet sich für den Einsatz vor.

Seit gestern Vormittag ist es Fakt: Das traditionelle große Europäische Kurdenkulturfest findet am Samstag, 10. September, auf der Neusser Rennbahn. statt. Geschäftsführer Peter Rebig für Rennbahn-Vermieter Neuss-Marketing und der Vorstand der Föderation kurdischer Vereine in Deutschland, Yek-Kom, unterzeichneten die Verträge. Für Rebig ist das Abkommen ein Glückstreffer: "Das bringt uns dem Ziel, am Ende des Jahres eine schwarze Null zu schreiben, ein wesentliches Stück näher."

Mehmet Demir (56), langjähriges Vorstandsmitglied und treibende Kraft bei Yek-Kom, erwartet zu dem 19. Fest dieser Art etwa 30 000 Besucher aus halb Europa. "Wenn es mehr werden, sind wir glücklich", sasgt er. Ein Verkehrschaos wird es laut Rebig nicht geben: " Fast alle reisen mit Bussen an." Der Vertrag sieht umfangreiche Sicherungsmaßnahmen vor, wie sie seit der Loveparade-Katastrophe im vergangenen Jahr vorgeschrieben sind.

"Musik, Tanz, Folklore und die gesellige Begegnung der Kurden untereinander stehen im Mittelpunkt des Treffens", sagt Demir. Doch es wird wie bei den 18 Festen zuvor auch politische Ansprachen aus den einzelnen kurdischen Landsmannschaften wie Türkei, Iran und Syrien geben.

Dass dabei auch Sympathisanten der verbotenen Arbeiterpartei PKK zu Wort kommen, gesteht Demir ein. Allerdings: "In den vergangenen 18 Jahren ist es zu keinerlei Zwischenfällen bei den Veranstaltungen gekommen." Seit gestern laufen auch die Vorbereitungen der Polizei für diesen Einsatz. "Wir prüfen, inwieweit die Polizei sich einschalten muss", sagt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Dabei wird auch der Staatsschutz eine große Rolle spielen, der bei allen Festivals vorher aufmerksamer Beobachter war.

Mit einem weinenden Auge schaut der gebürtige Holzheimer Hans Rütten, Chef der Kölner Sportstätten GmbH, auf seine Heimatstadt. Bereits mehrfach, zuletzt im vergangenen Jahr, hatten die Kurden im RheinEnergieStadion gefeiert. Rütten: "Das war in diesem Jahr nicht möglich: Der 1 FC Köln muss an diesem Tag ein Heimspiel austragen, da der entsprechende Spieltag der Rückrunde auf Karneval fällt — und da tritt der FC zwingend auswärts an." Aber er hoffe, dass die Kurden im kommenden Jahr zurückkehren.

Denn er habe sie in ausgesprochen guter Erinnerung — wohl nicht zuletzt, weil sie, berichtet Rütten, einen großen Teil der fälligen Gelder vorab bar in Schweizer Franken aus einer Plastiktüte bezahlten. Ob sie in die Domstadt zurückkehren, ist ungewiss. Demir: "Die Neusser Rennbahn ist ideal für uns. Hier gibt es bessere Möglichkeiten für die Begegnungen als in einem Stadion."

(NGZ)