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Neuss: 21-Jährige startet Festival für Organspenden

Neuss : 21-Jährige startet Festival für Organspenden

Mit einem Benefiz-Musikfestival will die 21-jährige Julia Felger junge Menschen in Neuss für das Thema Organspende sensibilisieren.

Als Julia Felger sechs Jahre alt ist, fürchtet sie zum ersten Mal um das Leben ihres Vaters. Ihr Vater hat eine seltene Stoffwechselkrankheit und braucht dringend eine neue Leber. Das Warten auf einen Spender belastet die Familie. Als es kaum noch Hoffnung gibt, findet sich ein Spender: Das Leben von Julias Vater ist gerettet. Vorerst. Denn schon 2008 braucht er eine neue Leber. Wieder bangen Julia, ihre Mutter und Schwester um das Leben des Vaters. Um mehr Menschen auf die Wichtigkeit von Organspenden aufmerksam zu machen, organisiert Julia mit dem Verein "Junge Helden", der Projekte und Aufklärung zu Organspenden macht, ein Benefiz-Konzert. 1500 Besucher kommen 2009 zum "Junge Helden für die Zukunft"-Festival ins Stahlwerk. Familie Felger wartet weiter auf einen Spender, doch vergeblich.

"Der Tod meines Vaters 2010 war die schlimmste Erfahrung in meinem Leben, und ich will nicht, dass jemand anders das durchmachen muss", sagt Julia. Deswegen stellt die Düsseldorferin wieder ein Benefiz-Festival auf die Beine. Dieses mal findet das Musik-Festival an zwei Tagen und in zwei Städten statt. Am kommenden Freitag erwartet sie rund 350 Gäste zum Auftakt im "Haus der Jugend". Vor allem Düsseldorfer DJs und Nachwuchsmusiker werden sich dann präsentieren, darunter Rune, JayJay, Schäääpat Soundsystem & Blumio und Liquid Lightning. In Neuss steht am Samstag Elektro-Musik im Vordergrund. Auftreten werden unter anderem Oliver Koletzki (DJ), Tube & Berger, Super Flu, Starskie & Van Lin und Derek Haze. An beiden Tagen werden Julia Felger und Vertreter von "Junge Helden" vor Ort sein, um Wissenswertes über Organspenden und den -spendeausweis zu erklären. Mit dem Erlös aus den Eintrittsgeldern sollen, wie schon 2009, Projekte von "Junge Helden" unterstützt werden.

"In der Schule steht Sexualkunde auf dem Stundenplan, aber nicht das Thema Organspenden", sagt Julia Felger, die zurzeit eine Ausbildung als Bürokauffrau im Film- und Medienbereich macht. Sie möchte das Festival deswegen nutzen, um anderen junge Menschen das Thema näherzubringen und ihnen auch die Angst zu nehmen. "Wir werden auf dem Festival aber nicht den Zeigefinger heben", sagt die 21-Jährige. Vielmehr gehe es darum, das Interesse der Jugendlichen zu wecken und das möglichst zwanglos. Wie wichtig es gerade jetzt ist, Vertrauen in dem Bereich aufzubauen, zeigen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Aufgrund der Skandale um Organspenden und Transplantationskliniken ist die Spenderzahl im ersten Quartal dieses Jahres um 18,1 Prozent auf 230 Organspenden gesunken und erreichte damit im Quartalsvergleich den tiefsten Stand seit der ersten Statistik vor 18 Jahren. Die Zahl der entnommenen Organe verringerte sich im selben Zeitraum um 12,9 Prozent. Sie betrug von Januar bis März nur noch 797; drei Jahre zuvor waren es fast 300 mehr gewesen.

(NGZ)