Neuss: 200 Jahre Theodor Schwann

Neuss: 200 Jahre Theodor Schwann

Das Denkmal vor der Alten Post erinnert an einen großen Sohn der Stadt: den Naturwissenschaftler Theodor Schwann. Sein Name ist noch heute Biologen und Medizinern ein Begriff. Geboren wurde er am 7. Dezember 1810.

Wäre um 1850 schon der Nobelpreis verliehen worden, dann hätte Theodor Schwann zweifellos diese Auszeichnung erhalten. Denn der heute vor 200 Jahren geborene Neusser gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Nach wie vor ist sein Name Biologen und Medizinern in aller Welt geläufig, weil nach ihm die "Schwannsche Scheide" in Nervenzellen und die "Schwann-Zelle" benannt sind.

Theodor Schwann war der Sohn des Neusser Goldschmieds und Verlegers Leonard Schwann und seiner Frau Elisabeth geborene Rottels. Er besuchte in Neuss das Progymnasium und das Marzellen-Gymnasium in Köln, wo er 1829 Abitur machte. Danach studierte Schwann Medizin in Bonn, Würzburg und Berlin. 1838 wurde er Professor an der Katholischen Universität Löwen, 1848 an der Universität in Lüttich. Bereits im Jahre 1845 erhielt der junge und hochbegabte Wissenschaftler die Copley-Medaille, und 1875 den Orden "Pour le mérite für Wissenschaft und Künste" für seine akademischen Leistungen. Theodor Schwann starb 1882 mit 71 Jahren in Köln.

Bereits 1836 entdeckte er das für die Verdauung notwendige Enzym Pepsin, das er erstmals aus tierischem Gewebe isolierte. Im Jahre 1839 entwickelte er die Zelltheorie, die die Zellen als grundlegende Bestandteile der Pflanzen und Tiere beschreibt. Dabei erkannte Schwann auch, dass Membranen und Zellkerne zu den allgemeinen Eigenschaften der Zellen gehören. Außerdem erkannte er, dass es einzellige und mehrzellige Organismen gibt. Seine Beobachtungen und seine Theorie fasste er in seinem Bahn brechenden Buch "Mikroskopische Untersuchungen über die Übereinstimmung in der Struktur und dem Wachstum der Tiere und Pflanzen" zusammen. Damit gilt er als Begründer der modernen Gewebelehre.

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Doch mit der Zelltheorie ist die Liste seiner Erkenntnisse noch längst nicht erschöpft. Theodor Schwann fand nämlich auch heraus, dass die Gärung von Zucker und Stärke das Resultat der Lebensprozesse sind. Außerdem untersuchte er die Funktion der Muskelkontraktion und die Struktur der Nerven. Schließlich formulierte er die Grundprinzipien der Embryologie, denn er beobachtete, dass ein Ei eine Einzelzelle ist und sich schließlich zu einem vollständigen Organismus entwickelt. Grundlegende Erkenntnisse also, ohne die weitergehende Forschungen und die heutigen Erkenntnisse in Medizin und Biologie nicht möglich gewesen wären.

In Neuss erinnern das prächtige Schwann-Denkmal vor der Alten Post, eine Tafel an seinem Geburtshaus am Büchel und die Schwannstraße an den berühmten Sohn der Stadt. Seit 2008 trägt auch das Weiterbildungskolleg der Stadt Neuss den Namen des Wissenschaftlers.

(NGZ)
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