1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

1. Mai in Neuss: Gewerkschaften betonen die Solidarität

1. Mai in Neuss : Gewerkschaften betonen die Solidarität

Die Corona-Pandemie macht Kundgebungen zum Tag der Arbeit fast unmöglich. Zu sagen gäbe es aus Sicht der Gewerkschaften allerdings einiges – auch wenn die befürchtete Welle an Insolvenzen bislang ausgeblieben ist.

Mitten in der Corona-Pandemie macht der Paketdienstleister UPS Ernst mit dem angekündigten Stellenabbau in Neuss. Mitte Mai, so will der DGB-Kreisvorsitzende Udo Fischer in Erfahrung gebracht haben, würden die ersten Mitarbeiter freigestellt. Dabei verdiene UPS in der Krise „ein Wahnsinnsgeld“, sagt er mit einem Kopfschütteln. Solidarisch sei das nicht in Corona-Zeiten, in denen viele ohnehin Sorge um ihren Arbeitsplatz haben.

Um Solidarität aber gehe es in diesen Zeiten und am Tag der Arbeit am 1. Mai. „Zukunft ist Solidarität“, hat der DGB deshalb als Losung für die Maikundgebungen ausgegeben, die inhaltlich wie organisatorisch von der Pandemie geprägt werden.

 Sigrid Wolf sorgt sich um eine Spaltung der Gesellschaft.
Sigrid Wolf sorgt sich um eine Spaltung der Gesellschaft. Foto: DGB

Als Organisatoren haben die Verantwortlichen im DGB auf Demonstrationszüge verzichtet, wollen aber „in kleinem Rahmen auf die Straße gehen“, wie es Sigrid Wolf ausdrückt, die DGB-Regionsgeschäftsführerin Düsseldorf/Bergisches Land mit Wohnort Grevenbroich. Auch in Neuss, wo um 11 Uhr am Samstag auf dem Markt ein Transparent enthüllt werden soll.

  • Stress im Homeoffice: eine junge Mutter
    Arbeitsmarkt in NRW : Corona-Pandemie bedroht Jobs von Frauen stärker
  • In den Kliniken der Stadt –
    Corona in Krefeld : Wissenschaftliche Untersuchung - Arbeitslose eher in der Klinik
  • Die Stadt hat das erste Corona-Jahr
    Stadt-Finanzen : Dank Corona ist Hilden 2020 leicht im Plus

Dabei gibt die Corona-Pandemie Anlass genug, am 1. Mai im Sinne der Arbeitnehmer das Wort zu erheben. Weil das Kurzarbeitergeld (inzwischen) bei vielen Familien nicht mehr zum Leben reicht. Oder weil sich die Langzeitarbeitsloigkeit verfestigt. „Wir dürfen diese Menschen nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Wolf, für die die Pandemie Beschleuniger einer Entwicklung ist, die im Ergebnis die Spaltung der Gesellschaft immer weiter vertieft. Wolf sorgt sich aber auch um Studenten, die ihre Nebenjobs verloren haben („Sie müssen unterstützt werden, damit sie nicht abbrechen“.) und um den Ausbildungsmarkt. Einen Start ins Ausbildungsjahr noch bis zum Frühjahr möglich zu machen, sei daher ein wichtiges Signal.

Corona wirft aber auch praktische Fragen auf, wie Fischer ergänzt. Viele Unternehmen, so stellte er zum Beispiel bei einem Besuch in der Aluminiumhütte fest, würden verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen und versuchen, ihre Beschäftigten vor einer Ansteckung zu schützen. Aber es sind ja nicht nur die Hüttenwerker, die nicht ins Homeoffice können, sondern zum Beispiel auch die Polizeibeamten. Eine Corona-Infektion müsse einfacher als Dienstunfall anerkennt werden, fordert Fischer – ohne dass die Beamten beweisen müssten, sich im Dienst infiziert zu haben.

Jenseits der Pandemie nimmt der DGB im Kreis zum 1. Mai aber auch große Generationenaufgaben wie den Strukturwandel in den Blick. Er sorge sich weniger um die Gruben- und Kraftwerksarbeiter, sagt Fischer. Für die würden gute Regelungen ausgehandelt. Stärker werde das Ende der Braunkohle die Mittelständler entlang der Wertschöpfungskette treffen. „In den Schubläden liegen viele gute Pläne“, sagt er. Diese Schubladen müsse jetzt jemand öffnen – und Jobs schaffen.