Neukirchen-Vluyn: Zwei Lokalrivalen - ein Fußballverein

Neukirchen-Vluyn: Zwei Lokalrivalen - ein Fußballverein

Eine Fusion in Neukirchen-Vluyn wirft die Frage auf, wie das Sportlerherz mit Veränderungen umgeht.

Die Liebe zum Sport ist ein hohes Gut. Gerade im lokalen Fußball - dort, wo sich Spieler und Fans noch persönlich kennen. Aufstiege werden hier gemeinsam gefeiert, Abstiege durchlitten. Doch was, wenn es den eigenen Verein irgendwann nicht mehr gibt? In Neukirchen-Vluyn passiert so etwas gerade. Die einstigen Lokalrivalen SV Neukirchen und TuS Preußen Vluyn fusionieren zum FC Neukirchen-Vluyn 09/21.

"Es ist ein scheiß Gefühl. Ich kann mich noch nicht so ganz daran gewöhnen", gesteht Helmut Weiß. Der Mann ist eine Institution des Neukirchener Fußballs. Als der SVN es zwischen 1961 und 1963 in der 2. Liga West mit solch klangvollen Namen wie Rot-Weiß Essen und dem VfL Bochum zu tun hatte, stand Weiß zwischen den Pfosten. Er symbolisiert die große Zeit des Traditionsvereins, bis zu 13.000 Zuschauer kamen damals zur Kampfbahn Klingerhuf. Weiß verfügt über ein großes Repertoire an Anekdoten aus diesen Tagen. Damals, als es für einen Sieg noch 15 Mark gab und Preußen Vluyn der kleine Lokalrivale war.

Von den alten Zeiten schwärmt auch Dirk Albrecht, bei ihm sind sie nur nicht ganz so lange her. Als in den 1980er-Jahren sich beide Vereine zum bis dato seltenen Liga-Derby trafen, stand der Vluyner ausgerechnet für den Lokalrivalen aus Neukirchen auf dem Platz. Der SVN gewannt "durch ein Abseitstor" 1:0, Vluyn stieg am Saisonende ab. "Die Mannschaft zählte damals über alles, da wurde das verdiente Geld gleich in der Vereinsgaststätte gelassen", sagt Albrecht. Doch die Zeiten hätten sich geändert. Trotz seines einstigen Engagements für Neukirchen ist er Preuße durch und durch. Spieler, Trainer, Schiedsrichter - es gibt kaum ein Amt, dass er im Vluyner Verein nicht übernommen hätte. Er hält die Fusion für dringend notwendig. "Mit neuem Verein und moderner Anlage sind wir dann richtig gut aufgestellt", sagt er.

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Es ist keine Liebesheirat, die sich am Niederrhein vollzieht. Doch sie ist notwendig, da sind sich die meisten Beteiligten einig. Selbst alte Haudegen wie Dirk Fischer. "Ich bin seit 60 Jahren beim SVN, da war natürlich immer viel Rivalität zu den Vluynern", gesteht er. "Der Zusammenschluss musste jetzt kommen. Es konnte nicht mehr anders weitergehen, alle sind knapp bei Kasse."

Zwei die für die Fusion gekämpft haben sind Timo Jogsch und Jürgen Meier. Sie werden auch im Vorstand des im Februar neu gegründeten Vereins zusammenarbeiten. Der Neukirchener Jogsch als Erster, der Vluyner Meier als Dritter Vorsitzender. Vor zwei Jahren startete der Jugendförderverein (JFV) beider Vereine als Modellprojekt, nun folgt der endgültige Zusammenschluss. "Der neue Verein wird wohl 450 bis 500 Mitglieder haben und über rund 25 Mannschaften verfügen", berichtet Jogsch. Eine zentrale Sportanlage im Stadtzentrum wird derzeit errichtet. Meier ergänzt: "Die Jugendarbeit soll im Mittelpunkt stehen. Der Verein ist für mich nicht aus der Not geboren, sondern eine tolle Geschichte." Die Urgesteine Weiß und Fischer werden dann ab Sommer den gleichen Farben zujubeln, wenn in Neukirchen-Vluyn aus Rivalen Sportkameraden werden.

(mlat)