Wohnungsmarkt in Neukirchen-Vluyn: Senioren und Singles zahlen mehr Miete.

Wohnungsmarkt in Neukirchen-Vluyn : Senioren und Singles zahlen mehr Miete

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – auch in Neukirchen-Vluyn. Deshalb erstellen Experten derzeit ein Handlungskonzept für die Politik.

Experten müssen neutral sein. Da macht auch Fabian Maaß vom Gewos Institut für Stadt-, Regional- und Wohnungsforschung keine Ausnahme. Sachlich-nüchtern referierte er im Stadtentwicklungsausschuss die Zwischenergebnisse der Gewos-Analyse zum Wohnungsmarkt in Neukirchen-Vluyn. Ein Anteil von 38 Prozent Mietwohnungsfläche zu einem Preis von weniger 5,70 Euro kommt dem Hamburger Maaß im Vergleich zu seiner Heimatstadt mit Sicherheit paradiesisch vor. Er gab aber auch Warnhinweise. So finden Singles und Senioren kaum bezahlbaren Wohnraum. Denn bei preiswerten, kleinen und barrierefreien Wohnungen gibt es deutlich mehr Nachfrage als Angebot.

Diese Schere droht laut dem Gewos-Zwischenbericht zum „Wohnungswirtschaftlichen Handlungskonzept“ noch auseinander zu gehen. Bis zum Jahr 2030 werde die Bevölkerung in der Stadt um ein Prozent, die Zahl der Haushalte aber um vier Prozent wachsen – bei gleichzeitigem Rückgang im Wohnungsbestand. Die Politik muss darauf achten, dass neuer und bezahlbarer Wohnraum in ausreichender Menge geschaffen wird.

Um von den Bürgern direkt zu erfahren, wie es sich wohnt, wurden 2000 Haushalte angeschrieben. Gut jeder fünfte Fragebogen, genau: 420, kam ausgefüllt zurück zur Gewos. Aus den dadurch gewonnenen Daten geht hervor, dass die Menschen gerne in Neukirchen-Vluyn leben – 90 Prozent der Befragten äußerten sich zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Passend dazu bleibt die Bereitschaft umzuziehen gering. Laut Maaß leben die Menschen im Schnitt 19 Jahre lang in ein- und derselben Wohnung – Mieter eher etwas kürzer, Eigentümer eher länger.

Wer umziehen möchte, finde im Segment der größeren Wohnungen für drei und mehr Personen relativ rasch und günstig eine neue Bleibe. Nur Ein-Personen-Haushalte und Senioren stoßen auf ein unterdurchschnittliches Angebot – was die Preise nach oben treibt. Mitte November will die Gewos bereits ihr komplettes Handlungskonzept vorlegen – dann auch mit Empfehlungen für die Politik.

Die sah sich in ersten Reaktionen durch den Zwischenbericht bestätigt. So erinnerte Richard Stanczyk von der SPD daran, dass die SPD seit längerem die Mieten in Neukirchen-Vluyn als zu hoch erachtet.

Die Sozialdemokraten forderten mehr Wohnungsbau, den sich auch einkommensschwache und Alleinerziehende leisten können. Thomas Stralka von den Christdemokarten erkundigte sich nach den Auswirkungen der Wohnungsdaten auf den örtlichen Handel. Wenn es mehr Aus- als Einpendler in Neukirchen-Vluyn gebe, so fragte er, wie wirkt sich das auf das Einkaufsverhalten der Menschen aus: „Kaufen sie nahe ihrer Arbeit oder nahe des Wohnortes?“ Darauf wusste der Gewos-Experte Maaß spontan keine Antwort.

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