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Wirtschaft in Neukirchen-Vluyn: Schwing-Gruppe feiert 50-Jähriges.

Wirtschaft in Neukirchen-Vluyn : Schwing-Gruppe feiert 50-Jähriges

Rund 3000 Anlagen aus Neukirchen-Vluyn stehen in 75 Ländern der Welt. Neues Bürogebäude für 2020 geplant.

Dieser Gründer startete 1969 nicht in einer Garage, sondern auf dem Dachboden. Wer den 81-jährigen Ewald Schwing heute zu einer seiner Reinigungsanlagen fragt, der bekommt einen ebenso lebhaften wie detailreichen Vortrag über die Kunst, Kunststoffwerkzeuge aus Metall zu reinigen. Am gestrigen Mittwoch hörte Stefan Dietzfelbinger aufmerksam zu, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg-Wesel-Kleve. Er war aus besonderem Anlass bei Schwing: Dietzfelbinger überbrachte die Urkunde zum 50-jährigen Firmenjubiläum.

„Nur ein Promille der bei uns registrierten Unternehmen erreichen überhaupt dieses Alter“, bemerkte der IHK-Mann anerkennend. Also: ein Unternehmen unter tausend. Bei Schwing läge dies zuallererst an der Energie, mit der die Ingenieure und Techniker ihre Position als weltweite Technologieführer verteidigten. Zudem haben es Vater und Sohn Schwing verstanden, die oftmals kritische Nachfolge in der Unternehmensleitung frühzeitig zu regeln.

Die Basis des Geschäftes sind etwa 2500 Kunden weltweit – aus der Kunststoff- und Faserindustrie, der Chemie- und Automobilbranche. Und um den Brexit-Ohrwurm dieser Tage gleich abzuräumen, sagt die Pressesprecherin der Schwing Gruppe: „In Großbritannien haben wir kein nennenswertes Geschäft.“ Just gegründet hat sich die Schwing Technologies North America Inc. – als Vertriebsgesellschaft für den nordamerikanischen Markt.

Von Neukirchen-Vluyn aus wurden bislang mehr als 3000 Reinigungsanlagen in etwa 75 Länder verkauft, sagt Firmengründer Ewald Schwing. Als es die Schwingschen Apparate noch nicht gab, versuchten Arbeiter, die mit Kunststoffresten verklebten Metallteile von Produktionsanlagen mit Brennern im Hinterhof abzuflämmen. Die dabei entstehenden Dämpfe sind hochgiftig und manchmal explosiv.

Die Spezialanfertigungen aus Neukirchen-Vluyn kosten das Zehnfache von Nachbauten, die es mittlerweile sogar in Schwing-Magenta und Schwing-Grau gibt. Die Expertise der Saubermacher vom Niederrhein ist so anerkannt, dass sie sogar Prototypen bekommen, um parallel Reinigungsverfahren entwickeln zu können. Thomas Schwing berichtete gestern von einem völlig neuen Kunststoff aus Japan, der noch hitzebeständiger ist als Vorgänger-Materialien. „Da müssen wir unsere Systeme möglichst rasch so weiterentwickeln, dass wir unseren Technologievorsprung behalten.“

Dreiviertel erwirtschaftet das Familienunternehmen durch Anlagenverkauf. 25 Prozent durch Reinigungsservice am Neukirchen-Vluyner Stammsitz. Fachkräfte werden hier wie überall gesucht. Im vergangenen Jahr entstand an der Oderstraße eine neue Fertigungshalle, 1600 Quadratmeter groß und rund 2,7 Millionen Euro teurer. Im nächsten Jahr soll ein neues Bürohaus entstehen, mit 1500 Quadratmetern auf drei Etagen. Schwing geht mit Schwung in die nächsten 50 Jahre.