Wie sich Notfallseelsorger in Neukirchen-Vluyn auf Weihnachten vorbereiten

Wie sich Notfallseelsorger in Neukirchen-Vluyn auf Weihnachten vorbereiten : Seele im Ausnahmezustand

Notfallseelsorger bereiten sich auf die Weihnachtszeit vor. Denn zurzeit treffen Schicksalsschläge besonders hart.

Jedes Unglück bedeutet für die Angehörigen Sorge, Angst, Verlust und Trauer. Diese Katastrophen nehmen weder Rücksicht auf den Zeitpunkt, wie jetzt die Weihnachtszeit, noch auf den Umfang. Sie passieren. Pfarrer Bernhard Ludwig (62) ist Notfallseelsorger und zugleich Freiwilliger beim Löschzug Moers Mitte. Zusammen mit Klaus Kutsch, Neukirchener Löschzugführer und hauptberuflicher Feuerwehrmann in Moers, kennt er solche Situationen sehr genau, die die Hilfs- und Rettungsdienste am Einsatzort erleben.

Verkehrsunfall, Feuer, plötzlicher Kindstod, erfolglose Wiederbelebungsmaßnahmen oder Selbstmord sind nur einige Beispiele aus der Arbeit der Notfallseelsorge. „Betroffen sind die Angehörigen des Opfers und die Kameraden am Einsatzort“, so Kutsch. Bernhard Ludwig weiß, dass in der emotionsreichen Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel Betroffene doppelt fassungslos sind. Sie erleben einen Kontrollverlust und wissen nicht, wie und ob es weitergehen kann. Situationen können sogar eskalieren, in Aggression umschlagen. Dann muss erst wieder Ruhe in die angespannte Situation kommen, so Ludwig.

Die Notfallseelsorge, getragen vom Kirchenkreis Moers und dem Kreis Wesel, kümmert sich seelsorgerisch und bedingungslos. Gerade in der aktuellen Zeit kann es passieren, dass die eigene Familie zurückstehen muss. Oft sind die ausgebildeten Notfallseelsorger mit bei den Einsätzen vor Ort oder können über die Leitstelle angefordert werden. Ludwig, der in der Nähe vom Moerser Feuerwehrgerätehaus wohnt, fährt oft mit raus. Ludwig: „Dass die Einsatzkräfte auch Beistand brauchen, ergibt sich aus der Situation gerade im ländlichen Umfeld. Es können Bekannte sein, die verunglückt sind, oder Kinder. Schwierig wird es in dem Fall, wenn die Einsatzkraft selber ein Kind in dem Alter hat. Dann muss umgehend der Reservemann ran.“

Wichtig sei dann die Einsatznachsorge, der präventive Austausch mit einer fachlich versierten Kraft, am besten aus einer ähnlich gelagerten Hilfsorganisation. Auch Kutsch weiß um solche Situation. „Wir sind über Whatsapp-Gruppen untereinander organisiert. Vielfach treffen sich die Kameraden im Nachgang, um nur über diese Ereignisse zu sprechen.“ Wenn allerdings Erlebtes die aktive Einsatzkraft im Wesen verändert, dann ist weitreichende Hilfe nötig.

„Das ist kein Zeichen von Schwäche, diesen Weg zu gehen, sondern ein Zeichen der eigenen Professionalität“, so Ludwig. 140 ehrenamtlich tätige Kräfte sind im Notfallseelsorgeteam im links- und rechtsrheinischen Gebiet engagiert, alleine acht für Neukirchen-Vluyn. Wichtiges Hilfsmittel bei den Einsätzen vor Ort ist der neutrale Notfallseelsorge-Bus. Er ist mit Spielsachen für die Kinder bestückt und für Gesprächssituationen am Unfallort eingerichtet.

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