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Neukirchen-Vluyn: "Wenn es zu kalt ist, rufen die Erdbeeren an"

Neukirchen-Vluyn : "Wenn es zu kalt ist, rufen die Erdbeeren an"

Henriette von der Leyen setzt im elterlichen Betrieb Schloss Bloemersheim den neuesten Stand im Gebiet der Anbautechnik um.

Frühlingszeit ist Erdbeerzeit: Rot und süß verkünden die Früchte Genießern den nahenden Sommer. Nordrhein-Westfalen gehört mit einer Anbaufläche von 2300 Hektar zu den drei größten Erdbeerregionen Deutschlands und der Niederrhein wiederum zu einem der Hauptanbaugebiete.

Mit etwa drei Hektar Freilandfläche zählt Bloemersheim zwar zu den kleineren Anbaubetrieben, in der Beliebtheitsskala der Früchte aber steht der Neukirchen-Vluyner Obstanbaubetrieb ganz weit oben. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Henriette von der Leyen, die für den Erdbeeranbau auf Bloemersheim zuständig ist. Die älteste von vier Töchtern der Familie von der Leyen absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Landwirtin und studierte anschließend Agrarwissenschaften. Nach dem Abschluss als Master of Science setzte sie ihre Ausbildung in einem hessischen Betrieb, der sich auf Erdbeeren und Spargel spezialisiert hat, fort und lernte dort modernen Erdbeeranbau kennen.

Seit Februar 2013 ist Henriette von der Leyen im elterlichen Betrieb angestellt und insbesondere für den Erdbeeranbau zuständig. Ihre in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse setzt sie erfolgreich in die Praxis um. "Wir haben das Erntefenster erweitert und mit Folientunnel angefangen; die ermöglichen eine deutliche Verfrühung. In Standardjahren können wir von Ende April/Anfang Mai bis in den August ernten", berichtet die 31-Jährige stolz. Acht Hochtunnel - jeder 136 Meter lang, zehn Meter breit und 3,90 Meter hoch - beherbergen fast 50 000 Pflanzen, die im geschützten Klima sehr früh zu blühen anfangen. "Da setzt man dann Hummelvölker ein, das sind fleißige Bestäuber. Gute Bestäuber sind wichtig, sonst gibt es verkrüppelte Erdbeeren," erklärt die Erdbeerexpertin. Die Brummer machen einen guten Job: In Reih und Glied und sauber mit Stroh unterlegt stehen die Erdbeerpflanzen, über und über voller roter Beeren.

Zur Erntehochzeit werden pro Monat von den 20 Saisonarbeitern allein in den Hochtunneln rund 25 Tonnen der begehrten Früchte gepflückt. Damit wird das angestrebte Ziel von 500 Gramm Ertrag pro Pflanze voll erfüllt. Auch auf den neben den Tunnel liegenden Freilandfeldern stehen die Erdbeerpflanzen in voller Pracht. Anfangs sicherten Minitunnel die passende Temperatur, inzwischen sorgt die Sonne für den nötigen Zucker in den Beeren.

Es gibt viele Risiken, die eine gute Ernte gefährden können: zu viel Regen, zu wenig Sonne, frostige Nächte. Von einer Wetterstation erhält Henriette von der Leyen die genauen Temperaturwerte auf ihr Handy: "Wenn es meinen Erdbeeren zu kalt oder zu warm ist, rufen die mich an." Gegen Nachtfrost helfen Vliesdecken, gegen Regen Schutznetze - die Pflanzen werden gehegt und gepflegt und danken es mit reicher Ernte. "Es läuft richtig gut", strahlt Henriette von der Leyen. Ein bisschen Anfängerglück ist vielleicht im Spiel, vor allem aber ihr glückliches Händchen bei der Auswahl der Sorten: Nach der leckeren Clery dürfen die Erdbeergourmets sich in wenigen Tagen auf "Sonata", danach auf "Salsa" und "Malwina" freuen. Sonata und Malwina sind neu in Bloemersheim: "Gut schmeckende, aromatische Erdbeeren mit guten Anbaueigenschaften und sehr intensiv im Geschmack."

(prs)