Neukirchen-Vluyn: Wenn der Postmann keinmal klingelt

Neukirchen-Vluyn: Wenn der Postmann keinmal klingelt

Die Klagen über die lückenhafte Zustellung von Briefen und Paketen in Neukirchen-Vluyn reißen nicht ab.

Mit Beschwerden über die Deutsche Post, die von Neukirchen-Vluyner derzeit in den sozialen Medien gepostet werden, könnte man mehr als einen Artikel füllen. Eine kleine Auswahl: "Ich hab' seit 14 Tagen nicht einen Brief erhalten." - "Wir hatten heute die Post der ganzen Woche im Briefkasten" - "Ich warte seit Mittwoch auf ein Päckchen, das sehr wichtig für mich ist". Manche witzeln, bald müsse man wohl wieder auf Brieftauben zurückgreifen.

Es gibt von einigen Kommentatoren aber auch Lob für fleißige und unverdrossene Briefträger. Das Problem scheint zumindest nicht flächendeckend zu sein, sondern bestimmte Bezirke heimzusuchen.

In der Poststelle der Neukirchen-Vluyner Stadtverwaltung läuft bislang noch alles recht ordentlich. "Mit den Briefen haben wir keine Probleme, aber uns ist auch aufgefallen, dass die Werbung viel seltener dabei ist."

Nun, manche würde es vielleicht freuen, wenn sie weniger Werbung im Briefkasten hätten, andere wiederum freuen sich auf die wöchentlichen Prospekte. Ein Neukirchen-Vluyner, der in der Zeitung nicht mit Namen genannt werden möchte, berichtet: "Diese Prospekte kommen bei manchen erst dienstags anstatt samstags an. Wir bekommen eigentlich nur noch zwei Mal die Woche Post." Und dann handele es sich oft um einen veritablen Stapel an Briefen.

Hans-Peter Burs kann die Klagen nur bestätigen. Auch der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen hat in den vergangenen Wochen oft vergeblich in den Briefkasten gelugt. "Im Moment sieht es so aus, dass wir nur noch alle drei Tage Post bekommen", sagt der Heimatfreund. Da träfen dann donnerstags Briefe ein, die eigentlich dienstags hätten da sein müssen. Besonders ärgerlich sei, dass er gerade eine Mahnung erhalten habe, weil eine Rechnung nicht bei ihm eingetroffen sei. "Wie man so hört, gibt es bei den Zustellern Personalprobleme", sagt Burs.

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Davon hatte auch Britta Töllner, Pressesprecherin der Post, jüngst gesprochen, als die unsere Zeitung sie jüngst auf die Beschwerden der Bürger um eine Stellungnahme bat. "Wir haben derzeit in den Zustellbezirken Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort einen hohen Krankenstand", hatte Töllner erklärt.

Die Post habe aber neue Kräfte eingestellt, diese müssten sich erst einmal einarbeiten. Eine aktuelle Anfrage bei der Post wurde bis gestern Abend nicht beantwortet.

"Ich hatte den Eindruck, dass es in den vergangenen zwei bis drei Wochen ein wenig besser geworden ist", sagt Elke Buttkereit. Die SPD-Politikerin wohnt mitten in Vluyn. Auch dort sei allerdings die schleppende Auslieferung zu spüren. "Das kann unter Umständen ja unangenehme Folgen haben", meint sie. "Wenn etwa vor einer Jahreshauptversammlung der Partei nicht fristgerecht die Einladungen eingegangen sind, kann die Versammlung angefochten werden."

Piratenpolitiker Jochen Lobnig übt Kritik an den Strukturen der Post. "Ich höre, dass Zusteller noch den Bezirk ihres Kollegen übernehmen müssen, wenn dieser erkrankt ist", sagt er. Das Personal ist in seinen Augen schlicht überfordert, "das ist ein Problem der Strukturen". Daher solle man den einzelnen Zusteller nicht kritisieren.

(s-g)
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