Neukirchen-Vluyn: Weniger Flüchtlinge als in den Vorjahren

Neukirchen-Vluyn : Weniger Flüchtlinge als in den Vorjahren

Der Sozialausschuss sieht keine Notwendigkeit, die Anzahl der Flüchtlings-unterkünfte aufzustocken. In seiner jüngsten Sitzung verschob er den Beschluss, zwei neue, sogenannte Schlichtbauten zu errichten.

Die Zahlen sind deutlich: 559 Plätze für geflüchtete Menschen hält die Stadt vor. Nur 302 davon sind belegt. Vor diesem Hintergrund sah der Sozialausschuss keine Notwendigkeit, über zwei neue Schlichtbauten zu befinden. Die Entscheidung fiel bei Enthaltung des Vertreters der Piraten. Die Pläne kommen im Rathaus einstweilen auf Wiedervorlage. Sie könnten aus der Schublade geholt werden, sobald dies nötig wäre.

Doch danach sieht es nicht aus. Momentan ist die Situation in keiner Weise mit dem Zuzug in den vorangegangenen Jahren zu vergleichen. Die erste Beigeordnete Margit Ciesielski hatte dem Ausschuss ein detailliertes Papier zur aktuellen Flüchtlingssituation vorgelegt. Demnach sind von den 302 in Neukirchen-Vluyn untergebrachten Flüchtlingen 101 Frauen, darunter 44 Minderjährige. Von den 201 Männern sind 52 unter 18 Jahre alt. Der Anteil der Einzelpersonen beträgt mit gut 45 Prozent knapp die Hälfte der in Neukirchen-Vluyn lebenden Flüchtlingen. Ihnen stehen 37 Familien und Paare gegenüber. Das Durchschnittsalter beträgt knapp 25 Jahre.

In der Statistik mit insgesamt 28 Herkunftsländern, darunter auch die Türkei, China und die Russische Förderation, ragen drei Länder heraus. Mit 75 Personen kommen die meisten Geflüchteten aus Syrien. Dahinter folgen der Irak mit 53 Geflüchteten und Afghanistan mit 28 Menschen.

Die zum Teil schrill geführten Berliner und Bayern-Diskussionen über die Durchsetzung von Abschiebungen werden durch das hiesige Zahlenwerk deutlich relativiert. Ganze vier Asylanträge in Neukirchen-Vluyn lebender Geflüchteter wurden abgelehnt. Dem stehen fünf Abschiebeverbote gegenüber. Dass niemand "durchgreift" oder der Staat angeblich "längst ausgesprochene Rückführungen nicht durchsetzt" lässt sich aus den Zahlen an keiner Stelle erkennen. Stattdessen haben mehr als zwei Drittel der hier neuerdings lebenden Menschen eine Aufenthaltsgestattung, sind als Flüchtlinge anerkannt, geduldet oder stehen unter einem "subsidiären Schutz". Zu der Diskussion über die neuen Flüchtlingsunterkünfte war es gekommen, weil die Mietverträge mit dem CJD zum Jahresende auslaufen. Selbst wenn diese Verträge nicht verlängert werden könnten, wäre durch die freien Kapazitäten genug Platz, um umzuziehen.

Die Beigeordnete Ciesielski schränkt ein, dass sich die weitere Entwicklung nicht vorhersagen lässt. Die Bezirksregierung in Arnsberg verteilt Flüchtlinge in NRW. Sie will Gemeinden fünf Tage im voraus darüber informieren, dass neue Flüchtlinge aufzunehmen sind.

(RP)