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Vluyner Gastronom Tim Lellau setzt in der Krise auf Außer-Haus-Verkauf.

Reaktion auf die Krise : Gastronom setzt auf Außer-Haus-Verkauf

Der Vluyner Gastronom Tim Lellau hat sein neues Konzept an behördliche Auflagen und Anordnungen der Kontaktsperre angepasst. Im Restaurant „Little John‘s“ können Kunden jetzt Speisen bestellen und abholen.

Besondere Umstände verlangen nach besonderen Handlungen, findet der Vluyner Gastronom Tim Lellau („Little John’s“). Er lässt sich von der Corona-Krise nicht von seiner Leidenschaft abbringen, leckere Gerichte für andere Menschen zu kochen. Aktuell erlaubt die Kontaktsperre gastronomischen Betrieben den Außer-Haus-Verkauf von Speisen in zwei Zeitfenstern, von 12 bis 15 und von 17 bis 20 Uhr. „Diese Möglichkeit will ich für meinen Betrieb und mein Team nutzen. Ich kämpfe um den Erhalt unseres Restaurants“, so Lellau.

Die Branche ist im Krisenmodus, bewegt sich wegen der Schließungen zwischen Verzweiflung, Kreativität und Tatendrang. Finanzielle Hilfen sind zwar auf dem Weg, aber noch nicht abrufbar. „Wir haben viel Zeit in die Recherche gesteckt und nötige Informationen eingeholt, die diesen Schritt möglich machen“, sagt Lellau, der ebenfalls Partner bei der Solidar-Aktion „Gutscheine statt Klopapier“ ist. Seit Dienstag versorgt er mit neuem Konzept seine Kundschaft in gewohnter Qualität. Improvisation wird schon beim Einkauf von seiner Mannschaft verlangt, wenn manches frische Lebensmittel oder haltbare Zutaten nicht zu bekommen sind.

„Wir haben gemäß der Auflagen den Betrieb und den Ablauf auf Außer-Haus-Verkauf umgestellt“, so Lellau. Kunden können ihre Gerichte telefonisch bestellen, bekommen dabei mündlich ihre Abholnummer, den Preis und den ungefähren Abholzeitpunkt genannt. „Wir können alle Gerichte auch mit unserer Siegelmaschine einschweißen, so dass sie im Kühlschrank gut haltbar sind.“ Um Kunden kontaktfrei die bestellten Gerichte zu geben, hat Lellau mit seiner Mannschaft den Vorgarten geräumt. Sitzplätze sind im ausreichenden Abstand zueinander gekennzeichnet, falls es zu Wartezeiten kommen sollte. „Die wollen wir so gering wie möglich halten. Es gilt wie in den Geschäften die Abstandsregelung“, so Lellau. Je nach Bestellung wird das Essen frisch zubereitet oder geht als Schöpfgericht, wie Suppe, außer Haus. Seine langjährige Bankett-Erfahrung in der Veranstaltungsgastronomie sorgt für einen routinierten Ablauf in der Küche. Die Wochenspeisenpläne werden Kunden mitgegeben. Die Homepage informiert zusätzlich über das Angebot. „Wir lassen keinen Gast in unsere Räume. Wir werden die Situation im Außer-Haus-Verkauf persönlich, aber auf Distanz, beibehalten. Wir halten uns an alle empfohlenen und vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Die Einhaltung erwarten wir auch von unseren Kunden“, so Lellau. „Wir wollen alles tun, damit die Versorgung der Menschen aufrecht gehalten werden kann.“ Lellau ist der Kreis derjeniger wichtig, die nicht raus wollen oder aufgrund von Gesundheitsrisiken nicht raus können. „Wir werden in der ersten Wochen unsere Erfahrungen machen, wie das neue Konzept genutzt wird. Gleichzeitig planen wir, wenn benötigt, einen Lieferservice“, so Lellau.

Little John‘s, Niederrheinallee 310, ist erreichbar unter 02845 7908210, im Netz unter www.little-johns.de.
Einen Lieferservcie bietet die Vluyner Pizzeria Milano, Niederrheinallee 435B, von 17.30 bis 21.30 Uhr, Telefonnummer 02845 7136.

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Handel sinnoll Auch andere Geschäftsinhaber und Gastronomen warten in der Corona-Epidemie mit besonderen Ideen auf und werben damit bei Facebook oder im Internet. Das Stadtmarketing möchte diese Ideen nun im Netz auf einer eigenen Homepage bündeln. „Wir wollen in den nächsten Tagen auf der Seite handelsinnvoll.de übersichtlich alle Geschäfte, Restaurants, Cafés und Handwerksbetriebe auflisten, die auch weiterhin für Ihre Kunden erreichbar sind und nach Hause liefern“, heißt es in einem Aufruf der Stadt. Entsprechende Betriebe sind aufgerufen, ihre Angebote mit Kontaktinfos per Facebook oder Mail an stadtmarketing@neukirchen-vluyn.de zu schicken, damit sie auf der Internetseite erscheinen können.

„Das kann auch über die Krise hinaus eine Plattform für Händler sein“, sagte am Dienstag Ulrike Reichelt, Wirtschaftsförderin der Stadt. „Handelsinnvoll“ soll dazu beitragen, den Einzelhandel vor Ort auch in der Krise so gut wie möglich zu stärken. „Viele Leute sind derzeit zu Hause. Das einfachste ist für sie, Dinge bei Amazon zu bestellen“, sagte Reichelt. Aber davon haben die lokalen Händler nichts.“ Wer zum Beispiel Bücher oder Spiele kaufen möchte, könne genausogut auf die Lieferdienste dere Neukirchener Buchhandlung und von Giesen-Handick zurückgreifen.

Einen Lieferdienst bietet jetzt zum Beispiel auch Floristin Heidi Olk (Blumenhandwerk, 0178 3661082) an. Sie freute sich am Dienstag überdies, weil aktualisierte Vorschriften es ihr erlauben, ihr zuletzt geschlossenes Geschäft an der Falkenstraße unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen wieder zu öffnen. „Die Kunden dürfen nur einzeln rein, außerdem muss ich Desinfektionsmittel vorhalten, beziehungsweise die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen“, sagte Olk. Sie öffnet vorerst allerdings nur donnerstags bis samstags von zehn bis 16 Uhr. „Es ist nicht mehr alles auf dem Markt“, sagte sie zur Erklärung. So fehle derzeit der Nachschub an Frühblühern wie Ranunkeln oder Margeriten aus Italien.