Neukirchen-Vluyn: Verwirrung um die Kita-Übernachtung

Neukirchen-Vluyn : Verwirrung um die Kita-Übernachtung

Ein Brauch am Ende der Kindergartenzeit ist ins Mahlwerk der Bürokratie geraten. Neukirchen-Vluyn will streng sein.

Wenn das Landesbauministerium NRW eine offizielle Anfrage bekommt, dann geben die Beamten in Düsseldorf eine höchst offizielle und juristisch wasserdichte Antwort. Zum Thema Nachtabenteuer am Ende der Kindergartenzeit war das vor wenigen Wochen genau so. Dürfen Knirpse in ihrer Kita einmal übernachten, bevor sie den Schritt in die Grundschule tun? In der frisch bezogenen Kita St. Antonius am Flohweg war das offenbar so geplant. Dem Vernehmen nach kam der Düsseldorfer Erlass dazwischen. Seither soll alles, so war zur Einweihung zu hören, auf ein Piratenfest hinaus laufen. Aber im Hellen - völlig ohne Schlafsack, Kuscheltier und Taschenlampe.

Denn um den überaus gängigen Brauch der langen Abschlussnacht in der Kita aufrecht zu erhalten, hätte ein Nutzungsänderungsantrag zur Baugenehmigung gestellt werden müssen, inklusive Vorlage eines dazugehörigen Brandschutzkonzeptes, so sagt es Frank Grusen, Sprecher der Stadt Neukirchen-Vluyn. Solch einen Anlauf habe es aber für die St. Antonius-Kita gar nicht gegeben. Kunststück! Vermutlich hat die Erzieherinnen bei dieser Auskunft der Stadt auf der Basis des Landeserlasses sämtlicher Piratinnenmut verlassen.

Zum Glück, so ergänzt der Stadtsprecher, hätten die städtischen Kitas von Neukirchen-Vluyn in diesem Jahr ohnehin nicht vorgehabt, eine lange Kita-Nacht einzulegen. Die Kita der Arbeiterwohlfahrt am Waldmannsweg fährt mit ihren großen Kindern auf einen Bauernhof, inklusive Übernachtung.

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Ist Neukirchen-Vluyn in dieser Frage strenger als Nachbarstädte? Wer mit Dr. Christoph Müllmann spricht, dem 1. Beigeordneten von Kamp-Lintfort, kann diesen Eindruck gewinnen. Der Erlass des Düsseldorfer Bauministeriums galt seiner Auskunft nach nur für Wuppertal. Deshalb werde man in Kamp-Lintfort nichts ändern, solange man nicht explizit vom Land dazu angewiesen werde.

Im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung kann man die ganze Aufregung um die Kita-Nächte nicht verstehen. Schließlich habe man auf Wunsch der Städte und Gemeinden per Erlass lediglich bestätigt, was seit 2009 Praxis gewesen sein sollte und dem gesunden Menschenverstand entspräche. Demnach müssten die Kommunen entscheiden, wie sie mit einer Knirps-Nacht umgehen.

Als Vorbild wird Hamm verwendet: Dort muss mindestens ein Erwachsener im Schlafraum anwesend sein, die Schlafsäcke müssen geordnet ausgelegt werden und dürfen keine Notausgänge versperren, es sollten Taschenlampen für Licht sorgen, Informationsaushänge das Verhalten in Notfällen beschreiben. Und man sollte noch die Feuerwehr darüber informieren, dass Menschen in der Kita nächtigen.

Alles schön und gut und richtig, heißt es aus dem nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebund. Jedoch: Solange eine Baugenehmigung keine Übernachtung einschließe, müsse dies eben in geeigneter Weise nachgeholt werden. Was die strikte Haltung von Neukirchen-Vluyn zu bestätigen scheint und endgültig an Günther Grass Blechtrommel erinnert: Am Besten ist es, nicht erwachsen zu werden.

(RP)
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