Verkehrshelfer in Neukirchen-Vluyn: Der Wink mit der Stopp-Kelle.

Verkehrshelfer in Neukirchen-Vluyn : Der sichere Wink mit der Stopp-Kelle

Der Volksmund nennt sie Schülerlotsen. Von Amts wegen heißen sie „Verkehrshelfer“. Tag für Tag machen sie den Schulweg ein Stück weit sicherer.

Der Vluyner Südring/Ecke Pastoratstraße, 7.15 Uhr. Der vom Wetterbericht versprochene Frühling zeigt Giuseppe Croce (59) die kalte Schulter. Zwei Grad – das bedeutet zwei Jacken und zwei Hosen. Bis 2012 verdiente der Mann unter Tage seine Kohle. Dann war Schluss auf dem Pütt und Start in eine neue Aufgabe. Seither macht Giuseppe Croce als Verkehrshelfer der Stadt den Südring ein Stück weit sicherer für die Schulkinder.

„Am Anfang haben meine Freunde und Bekannten schon ein wenig gelästert“, sagt Croce. Das brachte den neuen Schülerlotsen aber nicht ab von seinem Kurs. Weithin leuchtet seine neongrüne Dienstjacke. In den sechs Jahren seither hat er jeden Tagen gesehen, warum er diesen Job macht. Da sind die Hektiker und die Schleicher hinterm, Steuer, die Handy-Tipper und die noch leicht Dösenden. Ihnen allen hält Croce bei Bedarf die Kelle vor und macht sich mit einem leichten Ausfallschritt richtig breit auf der Fahrbahn.

Ganz am Anfang gab es eine kurze Einweisung von der Polizei. Und die Ausstattung für Verkehrshelfer von der Stadt: Die leuchtend gelbe Jacke, eine Weste für heiße Sommertage, zwei Dienstkellen – eine davon für den Winter mit Batterielicht und ein Käppi. Weil die Leucht-Jacke weder ein wärmendes Fell hat noch wasserdicht ist, durften sich die Verkehrshelfer zusätzlich eine Regenjacke kaufen und mit der Stadt abrechnen. Diese ist allerdings unter der Dienstjacke zu tragen.

„Man darf hier nicht zu nett sein“, hat Giuseppe Croce gelernt. Das geht zu lasten der Autorität. Alljährlich zu Schulbeginn müsse er die neuen Kinder und Eltern anlernen: Ruhig bleiben, auf seine Kommandos hören, zügig, aber nicht zu hektisch bis zur Mittelinsel vorgehen, kurz stoppen und dann die Gegenfahrbahn überqueren. „Oftmals sind die Eltern unaufmerksamer als ihre Kinder.“

Von der Niederrheinallee her kommt eine Mutter mit Tochter und Sohn zur Kreuzung. „Der Große geht schon in die vierte Klasse. Aber meine Tochter ist noch im ersten Schuljahr. Deshalb begleite ich die Kinder.“ Dass Giuseppe Croce an der Kreuzung für alle drei den Verkehr anhält, ist ein Segen, sagt die Mutter: „Es gibt einfach zusätzlich Sicherheit.“ Als neulich der Unterricht bei der Kleinen ausfiel, da habe den Eltern niemand Bescheid gesagt. Verkehrshelfer Croce brachte die Sechsjährige bis über die Niederrheinallee. Der Angesprochene zuckt mit den Schultern: „Ich lasse die Kinder doch nicht allein. Außerdem ist das auch mein Heimweg.“

Fünf Mal pro Werktag stellt er sich quer – von 7.30 bis 7.50 Uhr, 8.20 bis 8.40 Uhr – das betrifft den Hinweg zur Schule. Mittags – 11.30 bis 11.50 Uhr, 12.30 bis 12.50 Uhr, 13.15 bis 13.35 Uhr – sichert Giuseppe Croce den Heimweg der Kinder. Die kennen ihn mittlerweile gut. Sogar ein Kindergartenkind winkt lachend, als es im Korbsitz seiner Mutter vorbeigeradelt wird. „Ich bin sehr gerne hier draußen“, sagt Croce. Ganz so, als wäre das selbstverständlich.

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