1. NRW
  2. Städte
  3. Neukirchen-Vluyn

Unterricht mit Aha-Effekt im Repair-Café Neukirchen.

Tersteegen-Schule Neukirchen-Vluyn : Unterricht mit Aha-Effekt im Repair-Café

Wegwerfen? Denkste! Besuch von Zweitklässlern erhielt das Repair-Café in Neukirchen. Im Gepäck hatten die Kinder einen defekten Toaster, kaputte Kopfhörer und Mützen mit angerissenen Bommeln.

Dicht umlagern Zweitklässler der Tersteegen-Schule die Tische im Projektzimmer auf der Hochstraße. Dort, wo das Repair-Café seine Dienste anbietet. Umwelt- und Naturschutz und Nachhaltigkeit sind Themen im Sachkundeunterricht, der noch von einer Projektwoche gekrönt werden soll. „Luca, was ist mit deinem Ball“, will ein Junge vom anderen wissen. Ein Minifußball ist an den Nähten aufgerissen. Mit fachkundigen Stichen hat Martha Schlothmann von der Dorfmasche den Ball geflickt. Ein Strahlen geht über das Gesicht des Siebenjährigen.

Ein Kuscheltier bekommt eine kleine Nasen-OP und sieht danach wieder wie ein richtiger Mops zum Liebhaben aus. Der abgerissene Bommel der Strickmütze wird ebenfalls wieder befestigt. Auch die Kopfhörer können repariert werden. „Die sind von meinem Bruder. Der wird sich freuen und kann sie weiter benutzen“, sagt Cassandra (8). Anders die Armbanduhr, die vor vier Monaten im Discounter gekauft wurde. „Das läuft noch unter Garantie“, sagt Horst Manja vom Repair-Café, der so ganz nebenbei den Grundschulkinder das Prinzip von Garantieleistung erklärt. „Wichtig ist auch, dass die Kinder Verbraucherrechte kennenlernen.“

Das Repair-Café hat sich in den dreieinhalb Jahren etabliert, wie auch der Kundenstrom zeigt. Über zufriedene Kunden freut sich die ehrenamtlich arbeitende Tuwas-Mannschaft an Reparaturkünstlern, wenn eine Kaffeemaschine wieder läuft oder der Drucker wieder funktioniert. „Von rund 500 Geräten haben wir in der Zeit rund 70 Prozent reparieren können. Rund 350 Geräte haben wir gerettet“, so die Bilanz von Horst Manja. Die Bandbreite an Gegenständen reicht von einer Weihnachtskrippe über Plattenspieler bis hin zur Lampe.

Für Lehrerin Simone Tersteegen ist der Besuch des Repair-Cafés ein wichtiger Baustein für den Unterricht. Die Kinder erfahren, dass defekte Dinge in Ordnung gebracht werden können. „Wir haben den Besuch vorbereitet. Die Kinder brannten darauf, das Repair-Café zu besuchen“, so Simone Tersteegen.

Die Reparatur von Dingen hat bei den Kindern mächtig Eindruck hinterlassen und macht sie spontan zu Botschaftern in Sachen Nachhaltigkeit. Die Möglichkeit, reparierte Gebrauchsgegenstände weiter zu nutzen, ist eine neue Erfahrung mit Aha-Effekt. „Auch wenn mal was kaputt geht, muss man es nicht gleich wegwerfen“, so die Zweitklässler. In Sachen Müllvermeidung wollen sie demnächst noch eine Sammelaktion rund um ihre Schule machen, so erste Planungen in Kooperationen mit der Stadt.

„Die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit liegen uns sehr am Herzen. Wenn es auf diese Weise an Grundschulen vermittelt werden kann, sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt die städtische Agenda-Beauftragte Marion May-Hacker. Den Kontakt zum Repair-Café, das über die Tuwas-Genossenschaft koordiniert wird, kam an der Tersteegen-Schule zustande. Tuwas-Mitarbeiter reaktivieren den dortigen Schulgarten. „So wurden wir Kooperationspartner“, sagt Simone Tersteegen.