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Steine-Schlange an der Tersteegen-Schule Neukirchen-Vluyn

Mutmachen in Zeiten von Corona : Die Steine-Schlange wächst täglich

Die Idee, einen Stein mit Mut machenden Motiven zu bemalen, ist simpel wie wirkungsvoll. Die Grundschulkinder der Tersteegen-Schule in Neukichen-Vluyn sorgen mit ihrer Steine-Schlange für ein Lächeln.

Lachende Gesichter, Maikäfer- oder Fischmotiv – die Kreativität in Corona-Zeiten kennt bei den Grundschulkinder der Tersteegen-Schule in Neukirchen-Vluyn keine Grenzen. Sie bemalen Steine mit mutmachenden Motiven und schreiben Sprüche darauf. Hunderte Exemplare machen sich von den beiden Schulstandortenr Jahnstraße und Wiesfurthstraße auf den Weg, um sich mitten im Dorf Neukirchen zu treffen.

Schulleiterin Angelika Hesse hat dazu alle Kinder rund um die Schulstandorte eingeladen, mitzumachen. In einem Brief an die Eltern nennt sie einige Regeln. „Bitte liegen lassen“, so eine Aufforderung, denn anders als andere, in der Natur freigelassene Steine sind diese Exemplare standorttreu und möchte nicht ausgewildert werden, so die Bitte der Schulleitung.

Mittlerweile hat die Steine-Schlage schon die Nähe des angrenzenden Kreisverkehrs erreicht und auch an der Wiesfurthstraße wird kontinuierliches Wachstum beobachtet. Allerdings hatten weder die Schulleitung noch das Kollegium mit einer derartigen Resonanz gerechnet. „Wir hatten verschiedene solidarische Aktionen. Die Kinder haben für Menschen in Seniorenheimen gemalt. Jetzt malen die Kinder für sich“, sagt Lehrerin Simone Tersteegen.

Die jungen Akteure sind im Stein-Fieber. „Die Resonanz ist überwältigend. Aus dem Kollegium haben wir nicht vielmehr dazu beitragen müssen, als die Idee von zwei Kindern unserer Schule aufzugreifen und dann den Startschuss zu geben“, sagt Simone Tersteegen. Sonja (1b) und Florian (1c) sind die Ideengeber und bereits erfahrene Steinmaler. Sonja hat im Allgäu-Urlaub im Frühjahr Steine gesammelt und kreativ bemalt. In der Corona-Zeit wurde fleißig weitergemalt. Florian steckte mit seinem Steinmalfieber sogar seine ältere Schwester Lina an. Gemeinsam kam eine Sammlung von Steinen mit den unterschiedlichsten Motiven zusammen. „Und dann hatte Florians Mutter plötzlich die Idee, eine Steine-Warteschlange vor den Schulgebäuden auszulegen“, beschreibt Simone Tersteegen die Entwicklung.

Was dann aber passierte, ist kaum in Worte zu fassen und verdient die Bezeichnung Selbstläufer und dynamischer Prozess. Am Dienstag vorletzter Woche startete die Kinder beider Schulstandorte. Bereits viereinhalb Tage später bestand die Schlange an der Wiesfurthstraße (Tersteegen2) aus 657 Steinen. „Ich habe sie selbst gezählt. Inzwischen kann man sie kaum mehr zählen. Ich schätze, es werden weit über 2000 Steine sein“, so Simone Tersteegen. Die „Schlange“ hat bereits zwei Straßen überquert und schlängelt sich zurzeit durch die Falkenstraße. Von der Jahnstraße aus wächst sie in Richtung Dorfkirche. Hilfe kommt von der Kinderheimat. „Dort hatten die Kinder die tolle Idee, an der Außenseite der Dorfkirche das Verbindungsstück für beide Schlangen zu bauen“, so Simone Tersteegen. „Wir Tersteegenschüler stehen alle zusammen in dieser schweren Zeit, dicht an dicht, Stein an Stein, von der Jahnstraße über die Dorfkirche bis hin zur Wiesfurthstraße“, lautet die Botschaft. „Mittlerweile sind wir aufgrund des rasanten Wachstums sicher, dass viele Kinder die Schlange wachsen lassen.“

Wer sich die kleine Kunstwerke in der kontaktlosen Kommunikation ansieht, muss Zeit für jeden Stein mitbringen. „Die Kinder drücken sich mit ihren kleinen Kunstwerken ganz individuell und vielschichtig aus. Es geht oft um Corona, um vermisste Freunde, die vermisste Schule, es geht um Süßigkeiten, um Hoffnung, um Comicfiguren, ums ’Smilen’, um gute Laune, um Tiere und um so vieles mehr. Sie gehen einfach zu Herzen“, so Simone Tersteegen.