Neukirchen-Vluyn: Stadt verkauft das Göschel-Haus

Neukirchen-Vluyn : Stadt verkauft das Göschel-Haus

Das historische Gebäude samt 1000 Quadratmeter Grundstück gehört zu den Filetstücken im Herzen von Vluyn. Investoren können Gebote abgeben. Mindestens 460.000 Euro sind aufgerufen.

Verwundert reagierte mancher Friseurbesucher auf das Schild, das im Salon an der Pastoratstraße 5 hängt. "Geschlossen" ist zu lesen. Dass im ehemaligen Göschel-Laden in absehbarer Zeit das Friseurhandwerk nicht wieder ausgeübt wird, erklärt die aktuelle Ausschreibung "Grundstücksverkauf durch die Stadt Neukirchen-Vluyn". Allerdings hat die Geschäftsschließung nicht direkt mit der Ausschreibung zu tun - der Mietvertrag ist ausgelaufen.

Das städtische Eigentum mit Ladenlokal und Wohnungen auf dem zentral gelegenen, 1000 Quadratmeter großen Areal steht zum Verkauf. Ein "Filetstück" mit drei Flurstücken im Herzen von Vluyn, das bis an die Garagenreihe in Höhe des Sparkassengebäudes reicht. Anfragen für diese Immobilie beantwortet die Stadt bis zum 16. Februar, die Bewerbungsfrist - ausschließlich für Investoren und Bauträger - endet am 11. April. Angestrebt wird die Fortführung der Nutzung, nämlich Wohnen und gewerbliche Nutzung für Einzelhandel, Dienstleistungen, Hotel oder Gastronomie. Das Mindestgebot im Bieterverfahren liegt bei 460.000 Euro.

Das Göschel-Haus, benannt nach den alten Hauseigentümern und Betreibern einer Drogerie mit eigenem Fotolabor, ist nicht denkmalgeschützt. Teile des Hauskomplexes stammen aus der Zeit vor 1900, andere kamen im Zuge des Neubaus der Kulturhalle um 1936 hinzu. Das Göschel-Haus ist daher sehenswerte Station der Stadtrundgänge.

Während in Vluyn bereits der Komplettabriss der Ortsmarke und ein moderner, wenig ansprechender Neubau Gesprächsthema sind, schreibt die Ausschreibung die Vorgehensweise vor. Demnach muss sich ein Neubau in die nachbarschaftliche Bausubstanz in ein Mischgebiet einfügen und das Nutzungskonzept zur exponierten Lage im Ortszentrum passen. "Die Gebäudefronten sollen bei einem Rückbau erhalten beziehungsweise in enger Abstimmung mit der Stadt rekonstruiert werden", so die Ausschreibung. Die neue Bebauung rund um den benachbarten Platz am Museum belegt, wie attraktiv sich dieses Wohnquartier derzeit entwickelt. Stadtentwicklung ist im Ortskern weiterhin möglich und dürfte mit diesem Objekt nochmals spannend werden.

Dass das zweigeschossige Gebäude sanierungsbedürftig ist, war schon beim Erwerb durch die Stadt bekannt. Damals gab es noch verschiedene Planspiele, im Zuge einer Erweiterung der Kulturhalle den Gebäudekomplex zu nutzen oder auch die Bücherei im Ladenlokal unterzubringen. Auch für das Museum gab es damals Optionen, zusätzliche Ausstellungsfläche über das erste Obergeschoss zum Nachbargebäude zu schaffen. Von einem Museumscafé im Göschel-Laden war damals vage die Rede. Das ist aber längst abgehakt, wie auch Museumsleiterin Jutta Lubkowski bestätigt. "Wir wüssten gar nicht, wie wir das personell stemmen sollten. ist die Fläche im Erdgeschoss nicht barrierefrei ist und die Räume ganz unterschiedliche Höhen haben." Hinzu kommen Erfahrungen aus dem Bereich Brandschutzbedarfsplan, der vor wenigen Jahren bei der Umsetzung den Kulturhallen- wie Museumsbetrieb über Monate lahmgelegt hat. Entsprechend hoch waren die Auflagen in Sachen Sicherheit und Brandschutz.

"Der Verkauf der Immobilie macht für eine Kommune im Haushaltssicherungskonzept in diesem Rahmen Sinn", sagt Kurt Best, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. "Als Kommune müssen wir keine solchen Immobilien vorhalten." Nach Ablauf der Frist wird die Verwaltung Planunterlagen und Gebote prüfen, die dann an die Politik zur Beratung in einer nichtöffentlichen Sitzung weitergereicht werden.

(sabi)