Neukirchen-Vluyn: Sprenger, der wahre Schimanski

Neukirchen-Vluyn: Sprenger, der wahre Schimanski

Der ehemalige Chefermittler Heinz Sprenger war auf Einladung des Fördervereins in der Neukirchen-Vluyner Bücherei. Er präsentierte tiefe Einblicke in die Arbeit der Duisburger Mordkommission.

Heinz Sprenger kam auf Stippvisite in die Neukirchener Bücherei. Der ehemalige Chefermittler aus Duisburg hatte sein Erstlingswerk "Der wahre Schimanski" im Gepäck und lud zum Blick über die Schulter ein. "Ich war mit Leib und Seele bei der Mordkommission", erklärte der Pensionär im Unruhestand. Ab 1993 leitete er die Mordkommission, von der er schnell wusste, wenn nachts das Telefon klingelt, wartet neue Arbeit auf ihn. "Das ist ein Ding, da lebt man mit", so Sprenger.

Zu den spektakulärsten Fällen in seiner Zeit gehörten dabei die Mafia-Morde in Neudorf vor fast genau zehn Jahren. Sprenger handelte sich damals den Ruf ein, der beste Ermittler des Landes zu sein. Die Aufklärung der Duisburger Mafia-Morde vom 15. August 2007 geht auf sein Konto. Die Nobel-Pizzeria "Da Bruno" am Duisburger Hauptbahnhof war Tatort, an dem er sechs Italiener tot auffand, hingerichtet mit über 50 Schüssen. "Da Bruno" entpuppte sich als Drehscheibe der 'Ndrangheta', von der es alleine im Duisburger Stadtgebiet über 80 verwandte Personen gab.

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Damals schmückte sein Büro eine "Clan-Tapete", die zeigte, wer mit wem verwandt ist. Dass mancher ihn als wahren Schimanski bezeichnete, hat er für sich angenommen. Der Vergleich mit der Tatort-Figur Götz George als Horst Schimanski passe. "Ich habe beim Tatort-Ermittler Schimanski seinen Gerechtigkeitssinn bewundert", so Sprenger. Auch das "Querdenken neben der Spur", sei für ihn Motivation genug gewesen. "Weil hinter dieser Figur große Teile Wahrheit zu finden sind", so Sprenger. In Neukirchen räumte er mit den gängigen Mythen auf, die durch das Überangebot an TV-Krimis gepflegt werden. "In den Sendungen dreht sich alles um verhaltensauffällige, alkohol- oder tablettenabhängige Ermittler", sagt Sprenger. Die Realität sei eine andere. "Wir sind nur im Team erfolgreich. Eine Mordkommission ist so gut, wie das schwächste Glied", so sein Fazit. Wichtig sei ihm bei seiner Arbeit immer der respektvolle Umgang mit Verdächtigen gewesen, vor allem bei den Vernehmungen, einer seiner Lieblingstätigkeiten. "Man muss mit den Menschen vernünftig umgehen, eigene Emotionen im Griff haben und dabei immer offen und ehrlich sagen, was Sache ist", so Sprenger. Gesunde Angst und Achtsamkeit gehören dabei auch zum Beruf des Ermittlers. Größtes Lob und Anerkennung für seine Arbeit sei das Angebot eines entlassenen Straftäters, ihn auf eine Tasse Kaffee einzuladen. Mancher habe auch nach der Haft den richtigen Weg im Leben gefunden. "Das macht mich stolz", so Sprenger. Wie sich kriminalistische Erkenntnisse als ein Mosaik bis zur Aufklärung zusammenfügen, erlebte er in seiner 45-jährigen Dienstzeit immer wieder. "Man muss den Fall bis zum Gericht durchdenken", so das Fazit seiner Arbeit. Nahe gegangen seien ihm vor allem getötete Kinder.

Erschüttert habe ihn damals der Fund einer Kinderleiche auf einem Moerser Spielplatz, versteckt in einem Rucksack. Er ist sich sicher, viele Kinder könnten noch leben, wenn der Kinderschutz besser funktioniere. "Kinder brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt. Der Austausch der Ärzte ist wichtig", so Sprenger, der gemeinsam mit Kinderarzt Ralf Kownatzki unter www.riskid.de eine Antwort gefunden hat. Sprenger hat sich seinen Beruf zur Lebensaufgabe gemacht.

(sabi)
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