Neukirchen-Vluyn: SPD-Abend zur "GroKo": Zwischen Resignation und Hoffnung

Neukirchen-Vluyn: SPD-Abend zur "GroKo": Zwischen Resignation und Hoffnung

Zorn, Resignation, aber auch keimende Hoffnung auf einen Neubeginn der Partei - all diese Stimmungslagen gab es gestern beim SPD-Abend zum Thema Große Koalition in Neukirchen-Vluyn. Zwar blieben die Mitglieder des Ortsverbandes letztlich unter sich, doch das Spektrum der Meinungen war breit - vom pragmatischen Ja zum Koalitionsvertrag bis zum leidenschaftlichen Nein. In einem Punkt waren sich jedoch alle Teilnehmer im Foyer des Freizeitparks Klingerhuf einig: Die aktuelle Parteiführung in Berlin sei "ein Dilettantenhaufen", wie ein Mitglied schimpfte.

Fraktionsvize Günter Zeller drückte das Gefühl vieler SPD-Mitglieder in zwei Fragen aus: "Wer sind wir denn noch? Und was sind unsere Positionen?" Einst habe die Partei Visionen gehabt, sei nahe dran an Themen gewesen, die den Leuten auf den Nägeln brannten.

Kontrovers beurteilt wurde die Aktion der Jusos gegen die "GroKo". Während manche in dem Aufruf, für ein Nein in die Partei einzutreten, eine "manipulierte Abstimmung" sahen, meinte Rolf Heber: "Immerhin haben die Jusos damit Aufmerksamkeit erregt und gezeigt, dass bei uns wirklich diskutiert wird."

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Wohl die Jüngste in der Runde war Anne Böhmer, die erst kürzlich Mitglied der Fraktion geworden ist. "Es geht nicht um das Alter, sondern um die Haltung", verteidigte sie die Aktion der Jungsozialisten. Ihre Position ist ein deutliches Nein zur "GroKo".

Elke Buttkereit, die zu Beginn so objektiv wie möglich die wichtigsten Punkte des Koalitionsvertrages erläutert hatte, hielt schließlich mit ihrer Meinung nicht mehr hinterm Berg. Gerechtigkeit sei ein großes Thema des SPD-Bundestagswahlkampfes gewesen. "Aber die Menschen haben mich als Kandidatin gefragt: Warum habt ihr das in den acht Jahren zuvor nicht verwirklicht?" Diesen schaukelnden Kurs der Kompromisse weiter zu verfolgen, davon hält Buttkereit nichts. Wie sie drückten viele Anwesende die Hoffnung aus, dass die SPD in der Opposition sich erneuern kann - allerdings ohne die aktuellen Führungsfiguren. Gerd Lück fasste es so zusammen: "In dieser Verfassung wird die SPD keine weiteren 150 Jahre überstehen."

(s-g)