Senioren in Neukirchen-Vluyn zeigen, was sie ausmacht

Ausstellung im Willy-Könen-Seniorenzentrum : Senioren stehen zu dem, was sie ausmacht

Mit einem Fotoprojekt positionieren sich Bewohner des Neukirchener Willy-Könen-Seniorenzentrums zum Leben und zeigen Haltung.

Zu einer Fotoausstellung lädt das Willy-Könen-Seniorenzentrum in Neukirchen ein. Sie stellt die Bewohner in den Mittelpunkt unter dem Motto „Das macht mich aus“. 18 Aufnahmen und 18 Statements schmücken den Gang zum Speisesaal, die Flaniermeile im Seniorenzentrum. Gerhard Schrader, Sozialarbeiter und Koordinator Sozialer Dienst, hat diese Aufnahmen gemacht. Gleichbleibend ist bei den Fotos der Hintergrund und das Umfeld. Die „Models“, mit leichtem Make-up und gestyltem Haar, sitzen in einem professionell gestalteten Fotostudio auf einem Sessel, der mit glänzend goldfarbenen Stoff ausgeschlagen ist.

„Das war ein intensiver Arbeitsprozess über mehrere Monate“, sagt Schrader. Aus einem Fundus der besten Aufnahmen suchten später die Teilnehmenden ihr Foto aus. Das Motto „Das macht mich aus“ setzten sie unterschiedlich über Körpersprache und Sitzhaltung in Szene. Mancher zeigt sich mit besonders geschätzten Alltagsgegenständen oder Blumen, stellvertretend für die Freude am Gärtnern. Anfänglich brachte Heike Lada ihr Smartphone zum Fotoshooting mit, entschied sich dann aber anders. Das Smartphone öffne ihr zwar die Welt nach außen, aber mache sie nicht aus, wie sie erklärt. Das, was sie ausmache, sei ihre religiöse Haltung. „Ich vertraue auf Gott und alles wird positiv weitergehen.“ Das Fotoprojekt machte ihr Spaß und sorgte für wertvolle Erfahrungen. „Denn es ist gar nicht so einfach, konzentriert zu sein und still zu sitzen. Es sieht nach außen immer so einfach aus, ist aber richtig Arbeit und anstrengend.“ Ihre Bilanz sieht positiv aus. „Die Ausstellung ist sehr schön geworden.“

Andere Bewohner rücken ihre Familie in den Mittelpunkt, wie Uwe Prowatzky, der auf dem Titelbild des Ausstellungsflyers zu sehen ist. Familie ist auch für Hendrika Mühlenfeld wichtig. „Ich habe immer für meine Kinder gekämpft.“ Für sie gilt: „Ich versuche, jede Situation zu meistern.“ Irene Preuß bezieht Position: „Es wird nicht gemeckert, ich reiße mich zusammen und mache weiter.“ Ähnlich ausdrucksstark ein weiteres Statement: „Mir ist wichtig, dass ich echt und glaubwürdig erscheine.“

Für Gerhard Schrader ist es das zweite Fotoprojekt. 18 Bewohner, ihre Lebensprinzipien und Überzeugungen hebt er auf ein Podest. Das Projekt an sich erlebte Marion Alosery, Sozialer Dienst, als Prozess, der die Menschen positiv veränderte und das Selbstwertgefühl stärkte. „Stolz machte sich bemerkbar. Sie fühlen sich angenommen, erfahren neue Wertschätzung“, so ihre Beobachtung über den Lebensabschnitt, der von Abschieden, verringerter Vitalität und anderen Beeinträchtigungen bestimmt sei.

Vom „Thron“ war im Fotostudio schnell die Rede, auf dem sich die Teilnehmenden positionierten und oftmals bescheiden fragten: „Bin ich das wert?“ Für Schrader ein Moment, der in die Zeit zurückführt, in der eine Aufnahme im Fotostudio noch etwas Besonderes und Wertbeständiges darstellte. Er spricht von einem anhaltenden positiven Nachhall, den er mit der ersten Ausstellung in Schwarz-Weiß schon erlebte. Die Ausstellung wird von Bewohnern und Gästen gesehen, sorgt für Gesprächsstoff, positives Feedback und Glücksgefühle. „Die Entscheidung, trotz Handicap etwas geleistet zu haben, wiegt doppelt“, so Schrader. Der Mut, sich diesem Projekt gestellt zu haben, verleiht zusätzlich Flügel.