Schloss Leyenburg öffnete sich für Musikfreunde.

Rheurdt : Klassischer Wohlklang im grünen Salon vom Schloss Leyenburg

Rheurdter Spenden-Serenade stieß auf ein großes Interesse: Die rund 90 Gäste hoffen auf weitere Konzerte.

Das im Privatbesitz befindliche Schloss Leyenburg, ein an der Grenze zu Neukirchen-Vluyn gelegener Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert, hat eine reiche Geschichte vorzuweisen. Sie reicht bis in das Jahr 1349 zurück und war im Mittelalter geprägt von Kriegs- und Raubzügen. 1642 wurde das Gebäude von hessisch-weimarischen Truppen niedergebrannt. 1772 erwarb der Krefelder Seidenfabrikant Friedrich von der Leyen das Gut als Landsitz. Er ließ die alten Gebäude abreißen und ein neues Gutshaus bauen, das Leyenburg genannt wurde.

Nach dem Tod von Friedrich von der Leyens Enkel Friedrich Johann, der 1874 kinderlos starb, wurde Schloss Leyenburg unterschiedlich genutzt: als Lazarett im Ersten Weltkrieg, als Landgaststätte, als Landjahrheim, als Notquartier für Ostflüchtlinge und zuletzt als Schulungszentrum des Christlichen Sängerbundes. Im Jahr 2000 verkaufte Friedrich-Heinrich Freiherr von der Leyen das Schloss.

Die neuen Eigentümer verwandelten es in ein architektonisches Schmuckstück, das 2004 mit dem Rheinischen Denkmalpreis ausgezeichnet. Mit dem jetzigen Benefiz-Konzert im Rahmen des Festivals erfuhr die Geschichte des Schlosses jetzt auch eine musikalische Auszeichnung. Die Idee gehörte zu einem Sponsoring-Programm, mit dem die Künstlerischen Leiter des Kammermusikfestes Alexander Hülshoff und Katharina Apel neue Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

Im Eintrittspreis von 85 Euro waren Speisen und Getränke enthalten sowie ein Spendenanteil von etwa 25 Prozent. Ein Vorstoß, der von den Festivalfans begeistert aufgenommen wurde. „Die 90 Karten waren innerhalb von vier Stunden ausverkauft“, berichtet Festivalorganisatorin Jeannette von der Leyen begeistert. Nach dieser positiven Resonanz soll die Idee ausgebaut werden, wenngleich nicht unbegrenzt.

„Wir machen auf diesem Weg weiter, aber wir wollen das Ganze eng halten“, versichert Hülshoff. Auch Schlossherrin Inez van Tienhoven ist optimistisch: „Man kann das gut machen, es bringt Spaß und wird angenommen.“ Neben den kulinarischen Köstlichkeiten aus der Gourmet-Küche von Café-Jedermann-Chef Christian Hirschmann lockte natürlich vorrangig das musikalische Programm, das sich, wie Alexander Hülshoff erklärte, „im Herzbereich der Klassik und Romantik bewegte“.

Im grünen Salon, dessen Wände witzigerweise den gleichen Farbton tragen wie die Konzertprospekte des Kammermusikfestes, ließen sich die Besucher von den Festivalmusikern mit Beethovens Streichtrio op. 9/3 und Mozarts Duo KV 424 in die Welt klassischen Wohlklangs entführen. In der Pause wurde der Serenadencharakter des Abends mit Gesprächen und Getränken im Schlossgarten abgerundet. Als in Schuberts traumhaft schön gespieltem Streichquintett C-Dur der vermeintliche Hörnerklang durch den Abend zog, war die romantische Idylle schließlich perfekt. „Hier ist es einfach wunderbar“, schwärmte eine Besucherin. „Hoffentlich war das nicht das letzte Konzert auf Schloss Leyenburg.“