Neukirchen-Vluyn: Schlagabtausch über die Nau-Immobilien

Neukirchen-Vluyn : Schlagabtausch über die Nau-Immobilien

Der Sozialausschuss hat das Beratungskonzept für die Nau-Mieter abgelehnt. Vor allem die SPD hält es für nicht ausreichend.

Zu einer kontroversen Debatte über die Zukunft der Nau-Immobilien ist es am Mittwochabend im Neukirchen-Vluyner Sozialausschuss gekommen. Jochen Gottke, Fraktionsvorsitzender der SPD, warf der Stadt vor, die Entwicklung allzu sehr der neuen Eigentümerfamilie Olbrich zu überlassen. In der Sitzung sollte das "Beratungskonzept Mieter Vluyn-Immobilien" beschlossen werden, das die Verwaltung unter anderem mit der Grafschafter Diakonie, der Arge und dem Kreis Wesel erarbeitet hatte. Doch mit einer knappen Mehrheit von acht zu sieben Stimmen wurde es abgelehnt. Lediglich eine halbe Stelle für die Diakonie zur Betreuung wurde bewilligt. Die SPD wurde bei dieser Ablehnung von der Fraktion FDP/Piraten unterstützt, CDU und NV AUF geht's hatten das Konzept dagegen befürwortet. Die Fraktionsvertreter der Grünen enthielten sich der Stimme.

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Die Nau-Immobilien waren im Dezember von der Familie Olbrich erworben worden. Um Sanierungsarbeiten durchführen zu können, war vor einigen Wochen ein großer Teil der Mieter gekündigt worden. Allerdings bieten die Eigentümer ihnen alternative Wohnungen im Vluyner Süden an. Auch diese Häuser gehören zu dem Paket der Nau-Immobilien.

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Gottke hatte vor der Sitzung einige Fotos dieser Gebäude an die Presse geschickt, die die Verwahrlosung im Bereich Terniepenweg, Ulmenweg und Kiefernweg zeigen. "Ich konnte mir inzwischen aufgrund einer Führung der Mieter durch das Wohngebiet rund um den Kiefernweg ein aktuelles Bild von dem schlimmen Zustand der dortigen Wohnungen machen", kommentiert Gottke. "Warum die von der SPD ausdrücklich gewünschte Besichtigung dort nicht erfolgt, kann von hier nicht nachvollzogen werden." Sein Fazit: "Meiner Meinung nach sind diese Gebäude nicht bewohnbar."

Bürgermeister Harald Lenßen (CDU) zeigte sich gestern enttäuscht über das vorläufige Scheitern des Beratungskonzeptes. "Es wurde argumentiert, wir würden damit den Eigentümern zu sehr in die Hände spielen", berichtet Lenßen. Er findet diesen Vorwurf haltlos. "Das Konzept hatte Hand und Fuß." Jochen Gottke dagegen meint: "Das Konzept besteht seitenlang nur aus einer Verteidigung der Rechtsposition der Olbrichs."

Lenßen hatte im Ausschuss allerdings einen "Kronzeugen" dafür, dass die Eigentümerfamilie ihr Bestes tue: Dirk Biallas, der Sprecher der neu gegründeten Mieter-Initiative, bestätigt. Damit er seine Eindrücke schildern konnte, war die Sitzung eigens unterbrochen worden. Biallas habe erklärt, die Gespräche mit den Olbrichs liefen zufriedenstellend, berichtet Lenßen. Er weist den Vorwurf zurück, die Stadt lasse die Zügel schleifen. Die Olbrichs hätten versprochen, dass die Wohnungen renoviert würden. Gottkes vernichtendes Fazit nach dem Rundgang hält Lenßen für kein Argument: "Es ist doch allgemein bekannt, in welchen schlechten Zustand die Häuser waren." Doch das solle sich ja ändern, und zwar mit "individuellen Lösungen".

Gottke, der Lenßens Herausforderer im Bürgermeisterwahlkampf ist, hält dies für ein Indiz, dass eine grundlegende Sanierung nicht stattfinden wird. "Der Bürgermeister hat offenbar nichts dagegen, wenn die Schandflecken der Stadt bloß ,renoviert' werden", spottet er.

(RP)
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