Gemeinschaft in Schaephuysen „Rudelsingen“ vor dem Pfarrheim

Rheurdt · Inspiriert von dem Projekt „Singende Hauptstraße“ hatte die Pfarrgemeinde St. Martinus Rheurdt am Sonntag zu einem offenen Singen eingeladen.

 Zum gemeinschaftlichen Singen vor dem Pfarrheim an der Pastoratsstraße in Schaephuysen fanden sich rund 50 Singfreudige ein.

Zum gemeinschaftlichen Singen vor dem Pfarrheim an der Pastoratsstraße in Schaephuysen fanden sich rund 50 Singfreudige ein.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Es fühlte sich fast so an wie ein Treffen am Lagerfeuer. Pfadfinder, Jugendfreizeit, Kirchentag oder wo auch immer man als Jugendliche aus der „Mundorgel“ gesungen hat.

Zum zwanglosen „Rudelsingen“ vor dem Pfarrheim hatte Pfarrer Norbert Derrix am späten Sonntagnachmittag eingeladen. Dank des Bauzauns auf der anderen Straßenseite konnte die Wiese mit Flatterband abgetrennt werden, so dass an der Pastoratstraße eine einzige Einlass-Stelle geschaffen wurde. Dort bekam jeder Besucher einen Sprühstoß Desinfektionsmittel und ein Liedblatt in die Hände. Dann konnte sich jeder einen Platz auf der Wiese suchen. Stühle aus dem Pfarrheim waren zuvor in weiten Abständen auf dem Gelände verteilt worden. Einige der rund 50 Singfreudigen hatten sich sogar einen Picknickkorb gepackt.

Einige Kinder waren dabei, Hunde suchten sich ihren Platz im Schatten und kommentierten den Applaus mit Gebell. Schon beim ersten Blättern durch die 63 Liedtexte mussten viele schmunzeln: „Eine schöne Auswahl! Da kommen Jugenderinnerungen hoch!“ Klassische Volkslieder wie „Kein schöner Land in dieser Zeit“ oder „Die Gedanken sind frei“ waren genauso abgedruckt wie Schlager („Ich war noch niemals in New York“) oder Juxlieder („Die Affen rasen durch den Wald“). Auch einige Spirituals („Oh, when the Saints“) sowie Popsongs („99 Luftballons“) hatten es in die Auswahl geschafft. Voller Inbrust sangen alle „Über den Wolken“ von Reinhard Mey, begleitet von Pastor Derrix am Mikrophon. Zwar hörte man die anderen kaum und hatte nicht wirklich das Gefühl als Gruppe zu singen, jedoch konnte man sich gut an der elektrisch verstärkten Begleitung orientieren: Michael Dinnesen spielte Keyboard, Barbara Kopal schlug in die Gitarrensaiten und gab mit geübter Stimme die Vorsängerin. Zum „Schaephuysener Heimatlied“ wurden dann Sänger aus ortsansässigen Chören nach vorne gebeten. Sie waren es auch gewesen, die mit dem Projekt „Singende Hauptstraße“ das Treffen inspiriert hatten. Bereits seit Beginn der Corona-Zeit im März stellen sich die Menschen zu beiden Seiten der Hauptstraße auf und singen gemeinsam gegen den Corona-Blues an.

Was mit einem täglichen Treffen am Abend und dem Europalied „Freude, schöner Götterfunken“ begann, wird bis heute zweimal die Woche durchgeführt. Die Nachbarschaft wurde für diese Gemeinschaftsspendende Aktion sogar für den „Europäischen Bürgerpreis“ nominiert. Anlass genug für die katholische Kirchengemeinde, noch mehr Mitbürger zum „Singen gegen die Trostlosigkeit“ zu animieren. Angelika Elspaß und Brigitte Gräf aus Rheurdt waren jedenfalls begeistert. „Eine tolle Aktion, die es gerne öfter geben könnte!“, waren sich die beiden einig. Ob und wann es allerdings weitere Termine geben wird, konnte Pfarrer Derrix am Sonntag nach fast zwei Stunden „Rudelsingen“ noch nicht versprechen.

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