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RVR sperrt Mountainbike-Pisten auf der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn

Enttäuschung in Neukirchen-Vluyn : Großer Frust für Radler auf der Halde

Der Regionalverband Ruhr pocht aufs Hausrecht und sperrte Pisten für Mountainbiker der SG Neukirchen-Vluyn. Damit wurden viele Arbeitsstunden und einige tausend Euro Materialeinsatz entwertet. Die Betroffenen sind sauer.

Riesen-Frust bei den 86 Mountain-Bikern der SG Neukirchen-Vluyn: Ihnen hat der Regionalverband Ruhr (RVR), gewissermaßen als Weihnachtsgeschenk, bereits am 22. Dezember die mit viel Einsatz selbst präparierten Fahrtstrecken auf der Halde Nordeutschland gesperrt. Als zu gefährlich! Noch in dieser Woche sollen quer liegende Baumstämme, rot-weiße Flatterbänder und übergroße Hinweisschilder sehr deutlich machen: Trendsport ist vorerst nicht erwünscht – auf ausgerechnet jener Halde, die der RVR in seinem eigenen Haldenkonzept als Sport-Hot Spot vorsieht und noch im vergangenen August beim Haldentag entsprechend publikumswirksam so beworben hat.

Im eigenen Informationendienst „idr“ wollte der RVR sein Vorgehen als Hausherr der Halde auch noch schön reden: Gemeinsam mit dem SG Neukirchen-Vluyn plane man nunmehr sichere Strecken. Allerdings müssten die Forstbehörde und die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Wesel ihre Zustimmung erteilen.

Der Vorsitzende der SG Neukirchen-Vluyn, Franz Frings, bestätigt den Vorgang an sich. Er hofft, dass „wir mit dem RVR rasch zu einer Einigung kommen, mit der alle Seiten leben können.“ Im Gespräch sei ein Korridor für die Mountainbiker. Insgeheim hatte er befürchtet, dass sich empörte Radsportler an die RP gewandt hatten. Die Stimmung der Betroffenen wäre entsprechend. Frings jedoch will keinen Ärger mit dem RVR. Der 73-Jährige kann sich noch gut an einen Artikel aus der Rheinischen Post vom 2. Februar 2012 erinnern. Der war damals überschrieben mit den Worten „Freie Bahn für Trendsportler“. Damals schlossen der Verein und der RVR Nutzungsverträge, um die rasanten Talfahrten per Fahrrad zu ermöglichen. Darauf vertrauend seien viele Arbeitsstunden und einige tausend Euro in den Ausbau der Mountainbike-Pisten geflossen, sagt Frings. „Nun aber gibt es andere Entscheider im RVR.“ Mit ihnen will sich Frings möglich rasch in ein gutes Benehmen setzen.

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Derzeit erlaubt der RVR nur das Radeln auf dem Plateau ganz oben auf der Halde Norddeutschland – so der für Mountainbiking zuständige Ansprechpartner bei der SG Neukirchen-Vluyn. Und ein kurzes Stück von der untersten Terrasse aus. Wie kämen die Geländeradler über den gesperrten Abschnitt? Sie müssten ihr oftmals liebevoll und teuer aufgerüstetes Mountainbike schieben.

„Wenn es dort kritische oder möglicherweise gefährliche Punkte gibt, sollten RVR und der SG diese möglichst rasch aus der Welt räumen – wünscht sich der Bürgermeister von Neukirchen-Vluyn, Harald Lenßen. Wanderer, Läufer, Reiter und Radler sollten die Halde möglichst unfallfrei nutzen können. Hinter den Kulissen scheint eine gewisse unklarheit darüber zu herrschen, wer für was haftet. Vorsorglich konfrontierte die Stadt einen spezialisierten Anwalt mit der Frage, ob für die nach Schwierigkeitsgraden gestaffelten Abfahrtsstrecken der Mountainbiker eine Baugenehmigung erteilt werden müsse. Ergebnis der Prüfung: Für Lehmwege in freier Natur sei dies nicht erforderlich.

Regelmäßig zu Silvester warnt die Stadt all jene, die den Jahreswechsel auf der Halde Norddeutschland verbringen wollen davor, dass es auf der Himmelstreppe glatt sein kann. Denn eigentlich hat Neukirchen-Vluyn die Verkehrssicherungspflicht auf der Halde, die dem RVR gehört. Hinter dem Zick-Zack-Kurs stehen Haftungsfragen. Als im Mai vergangenen Jahres ein Radfahrer in der Nähe des Halden-Hauses tot aufgefunden wurde, hielten bereits einige Eingeweihte den Atem an. Jedenfalls so lange, bis die Obduktion einen Herzschlag als Todesursache ergab.

Auch die SG Neukirchen-Vluyn hatte solche Eventualitäten bereits längst bedacht und eigens eine Zusatzversicherung für den Fall abgeschlossen, dass Nicht-Vereinsmitglieder auf den eigens angelegten SG-Pisten zu Fall gekommen wären. SG-Mountainbiker sind demgegenüber aufgrund ihrer Vereinsmitgliedschaft versichert. Nur haldeabwärts fahren dürfen sie bis auf Weiteres nicht.