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Rückepferd räumt in Neukirchen-Vluyn auf

Nach Baumfällungen : Rückepferd Sepp ist in Rayen am Zug

Nach Baumfällungen im Naturschutzgebiet wird der Kaltblüter eingesetzt, um den weichen Boden zu schonen.

„Sepp“ zieht Baumstämme aus dem Naturschutzgebiet am Rayener Berg, als würden sie nichts wiegen. „Bis zu 800 Kilogramm kann er bewegen“, berichtet Georg Stevens von seinem Rückepferd. „Das entspricht seinem Körpergewicht oder einem fünf Meter langen Baumstamm mit 40 Zentimetern Durchmesser. Je schwerer ein Stamm ist, desto langsamer wird „Sepp“. Kurzfristig kann er auch das doppelte seines Körpergewichtes ziehen.“

Der 13 Jahre alte Kaltblüter ist einer der wenigen Alpener im doppelten Sinne. Der Wallach und Noriker stammt aus den Alpen, genauer gesagt aus Südtirol. Außerdem lebt er in Alpen, auf dem Hof von Nicole Basten und Georg Stevens zwischen dem Ortskern, Veen und Winnenthal.

Im Winter ist „Sepp“ als Rückepferd im Einsatz, wie jetzt in Rayen. Er holt Baumstämme aus dem Naturschutzgebiet am Rayener Berg. „Vormittags arbeitet er drei Stunden“, erzählt Stevens. „Nachmittags zwei. Er schafft 20 Festmeter Holz. Er weiß genau, wenn es zwölf Uhr Mittag ist. Wenn ich „Hott“ sage, damit er sich nach rechts bewegt, schreitet er von alleine zum Pferdeanhänger. Dort macht er Mittagspause, trinkt Wasser, isst Stroh und Kraftfutter. Dann ruht er sich aus.“

Der 57 Jahre alte gelernte Kraftfahrzeugmeister hat sein Hobby Pferde zu seinem Beruf gemacht. „Die Pferde sind Kollegen“, erzählt der Pferdeliebhaber. „Sie könnten auch sechs Stunden am Tag arbeiten. Aber ich will sie nicht überlasten.“ Deshalb bezeichnen seine Frau und er ihre Fuhrhalterei gerne als „starke Truppe“, zu der die Mitarbeiter, wie Markus Ettwig, genauso zählen wie die beiden weiteren Kaltblüter. „Lumpi“ ist sieben Jahre alt, ebenfalls ein Wallach und ein Noriker. „Flamme“ ist erst vier Jahre alt, eine Stute und eine rheinisch-deutsche Kaltblüterin.

„Kollegen aus Süddeutschland haben oft Stuten“, schmunzelt der Pferdeliebhaber. „Sie erzählen, eine Stute würde einen Stamm wegziehen, den ein Wallach liegen lassen würde. Stuten seien leistungsbereiter.“ Er will sich noch nicht festlegen, ob das bei „Flamme“ ebenso ist, die seine Frau und er in diesem Jahr als Rückepferd ausbilden. Stevens denkt noch an den Wallach „Sami“ zurück, der im vergangenen Jahr an einer Kolik starb: „Er war erst acht Jahre alt. Er hat sehr gelitten, den Kopf immer wieder zur Stelle gedreht, an der es wehtat. Er war nicht mehr zu heilen. Wir haben ihn einschläfern lassen, damit er sich nicht weiterquält.“

Der Pferdeliebhaber weiß, wie selten Rückepferde heute in der Forstwirtschaft geworden sind. „Am Niederrhein kenne ich bis Kleve hoch niemanden, der noch Rückpferde hat“, erzählt er. „Der nächste Halter ist in Erkrath. Rückepferde sind nur selten im Einsatz, auch wenn die Einsätze mehr werden. Wir setzen sie auch für Kutsch- und Planwagenfahrten ein, sonst könnten wir sie nicht halten.“

Nachdem Pferde seit den 1950er Jahren bei Rückearbeiten in Wäldern durch Traktoren und Spezialmaschinen verdrängt worden waren, kommen sie jetzt wieder öfter zum Einsatz, weil die Naturschutzgebiete wachsen, so wie in Rayen. „Der Boden wird größtmöglich geschont“, sagt Andrea Zimmermann. „Der Rayener Berg ist ein sensibler Standort.“ Die 33 Jahre alte Försterin ist Revierleiterin bei der RVR-Tochter „Ruhr Grün“, die die Fläche am Rayener Berg pflegt, die dem Regionalverband Ruhr gehört.

Am Rande des Berges Bäume zu fällen, ist notwendig, damit die Artenvielfalt erhalten bleibt. „Ruhr Grün“ lässt dort ausschließlich amerikanische Roteichen herausholen. „Sie wächst schneller als die heimischen Eichen und hätte sie sonst verdrängt“, begründet die Försterin das Fällen.