1. NRW
  2. Städte
  3. Neukirchen-Vluyn

Rheurdter Grünen wandern mit Experten zu den austrocknenden Kuhlen.

Rheurdter Grünen hatten zum informativen Dorfspaziergang geladen : Ohne ergiebigen Regen drohen die Kuhlen zu verlanden

Grüner Dorfspaziergang mit zwei Experten der Lineg: 1,5 Tonnen tote Fische und große Sorgen um die Entwicklung des Grundwasserspiegels.

Anhaltend fehlendes Wasser in den Rheurdter Kuhlen macht den Anliegern und Bürgern schon seit längerem Sorge. So wurden aus der Meenen-Kull rund 1,5 Tonnen tote Fische geborgen. Befürchtungen um Zerstörung der Biotope trieb auch die Teilnehmenden des ersten Dorfspazierganges der Grünen um. Zwei Experten der linksniederrheinischen Entwässerungsgesellschaft (Lineg), Dr. Wolfgang Kühn und Susanne Leese-Bartam, kamen dazu.

Rund drei Kilometer lang war der Gang entlang des Littardschen Kendels bis hoch zur Pastorkuhle mit fachlichen Erläuterungen zu Fließgewässern und dem Kuhlensystem. „Für uns ist es nicht verständlich, weshalb einige Kuhlen Wasser haben, andere ausgetrocknet sind. Da gehen unerklärliche Dinge vor“, so der Tenor der Runde. Anders die Lage beispielsweise in Kommunen in Rheinnähe wie Moers und Rheinberg, die in ihren Gewässern noch Wasser führen. „Wenn es keine Niederschläge gibt, haben wir keinerlei Möglichkeiten zu regulieren. Die Sorgen sind verständlich“, so Kühn mit Blick auf die Folie, die die Niederschlagsmenge über Monate zeigt. Er spricht mittlerweile von einem historischen Tiefststand des Grundwassers. „Und er wird weiter sinken, wenn es keinen anhaltenden Niederschlag über Wochen gibt. Wir können gar nichts tun und nichts an Wasser verteilen, wenn es zu wenig regnet“, so seine Feststellung.

Den komplexen Zusammenhang von Grundwasserspiegel, den Pumpen, der Regulierung und dem Zulauf der Kuhlen erläuterte er der Gruppe. „Es gab keine Grundwasserneubildung. Schon seit Februar fehlen uns etwa drei Viertel des Niederschlags, den wir sonst haben“, so Kühn. Das bedeute für das Gebiet Niederend 305 Liter pro Quadratmeter. Folge: die Natur, die in der Vegetationsphase Wasser für das Wachstum braucht, wird nicht bedient. Die Gefahr, dass Kuhlen verlanden, sei gegeben.

Als ideal bezeichnete Susanne Leese-Bartram in Zustand von der noch wasserführenden Landwehr in Höhe der Alte Molkerei. Für den Rheurdter Grünen-Chef Frank Hoffmann wie die Teilnehmenden bot der Spaziergang ein schweres Thema und die bittere Erkenntnis, dass die Lineg keine Möglichkeiten hat. Alleine die Niederschlagsmenge ist maßgeblich. Zwar bestehe die Möglichkeit, beispielsweise die Meene-Kuhle bis ans bodennahe Grundwasser auszubaggern. „Doch wer bezahlt die Rechnung und ist diese Maßnahme zielführend, wenn der Grundwasserspiegel weiter sinkt?“, fragte Hoffmann.

Zudem stehen langwierige Genehmigungsverfahren vor solchen Maßnahmen. Kühn hat mittlerweile eine Studie in Auftrag gegeben, die die Problematik beleuchten soll, wie bei einem erneuten Megasommer sich die Situation im Grundwasserbereich entwickeln könnte. „Auch für uns ist es Neuland. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt“, so Kühn.