Rheurdter Bauern entzünden Mahnfeuer

Bauernproteste : Rheurdter Bauern entzünden Mahnfeuer

Auf einem Feld neben der B510 in Kengen brannten am Samstag Feuertonnen. Landwirte protestierten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung.

Das Land brennt – nicht nur am Samstag beim bundesweiten Protest der Landwirte. Der Standort Kengen, in Höhe von Landtechnik Hellmanns, war Teil einer Kampagne, die am Samstag bundesweit startete. Alle 50 Meter loderte das Feuer aus den aufgestellten Tonnen. Die Bauern machten auf die aus ihrer Sicht weiterhin nicht zufriedenstellende Situation nach der Trecker-Sternfahrt nach Berlin in ihrer Branche aufmerksam. Zwar haben mit über 40 Verbänden Gespräche stattgefunden, die Lage habe sich aber nicht entspannt. Im Gegenteil.

„Wir wollen mit dieser Aktion Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung erwecken und weiterhin unseren Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung formulieren“, sagte Willi Hellmanns, der zusammen mit Kollegen an der viel befahrenen B510 die Aktion der Mahnfeuer steuerte. Organisiert wurde sie über das Bündnis „Land schafft Verbindung“, die bereits zur Trecker-Sternfahrt die Landwirte mobilisierte und auch weiterhin zu Aktionen aufrufen wird. Auch Landwirte aus Kengen waren mit den Rheurdter und Lintforter Kollegen in der Bundeshauptstadt. „Es kann nicht sein, dass pauschal die Landwirtschaft für alles verantwortlich gemacht wird“, sagten Robert Schayen, Michael Rips und Georg Peschers. Die Rede ist vom Insektenschutz, der Düngeverordnung, verschärften Auflagen, von Existenzsorgen, aber auch vom Mobbing, dem die Kinder aus landwirtschaftlichen Familien in den Schulen ausgesetzt sind. Der soziale Frieden sei in Gefahr.

Dass sich etwas ändern muss, steht für Willi Hellmanns und seine Kollegen fest. „Alle müssen ihren Teil beisteuern. Das gelingt nur miteinander. Auch wir leisten unseren Beitrag zum Pflanzenschutz und zur Pflanzenvielfalt“, so Hellmanns. Er setzt wie die Kollegen auf den Dialog und Ergebnisse, die schlüssig sind und nicht zu einer irrsinnigen Auflagenflut führen. „Wir selber müssen Lösungen erarbeiten und anbieten. Wir sind nicht gegen das Tierwohl, den Insektenschutz oder den Wasserschutz.“ Schayen wies auf den Zeitfaktor hin und die Forderung nach dem Spielraum für individuelle Maßnahmen. „In der Landwirtschaft denken wir nicht im Fünfjahresrhythmus von Wahlen, sondern aufgrund von Naturkreisläufen langfristig. Anders ist es nicht möglich“, so Schayen.

In Deutschland hat die hohe Qualität von Lebensmitteln oberste Priorität. „Wir sind Unternehmer, die nach hohen, festgelegten Standards das produzieren, was der Kunde haben will. Nur bezahlen will er nicht“, so Hellmanns. Manche Importware aus der EU oder aber Fleisch aus Drittländer entspreche in keinster Weise diesen Kriterien. Im Gegenteil. Der Verbraucher fordere höchste Qualität, kaufe in Massen Billigfleisch. Das Überangebot an diesen Lebensmitteln, das später entsorgt werde, so Hellmanns, sei ein wiederum noch anderes Thema.

Für die Rheurdter Politik ist die Unterstützung der Bauern selbstverständlich. Sie war am Samstag vor Ort. Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen: „Neben allen fachlichen Belangen und verschärften Maßnahmen, die das Agrarpaket vorsieht, sehe ich auch die Verbraucher in der Verantwortung.“